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Auch über dieses Jahr* aus dem Leben Freuds gibt es sehr wenige lebensgeschichtliche Dokumente. Es sind keine Familienbriefe publiziert; ein einziges Schreiben an Breuer liegt in gekürzter Fassung vor. Der vor 14 Monaten begonnene Briefwechsel mit Fließ wird erst im Juli 1890 wieder aufgenommen. Es ergeben sich aus den Texten keine Anhaltspunkte, ob in der Zwischenzeit Briefe verloren gingen. Erst im September 1892 heiratete Fließ Ida Bondy, die die Briefe Freuds an ihren Mann sammelte. Auch der Wechsel in der Anrede von „Sie“ auf „Du“ findet sich zwischen Mai und Juni des Jahres 1892 (Freud an Fließ, S. 16f.). Die einzige Publikation Freuds ist eine Besprechung von Auguste Forel, „Der Hypnotismus“, in zwei Folgen in der Wiener Medizinischen Wochenschrift veröffentlicht (GW Nachtragsband, S. 123-139).
Dennoch wird das Leben Freuds in diesem Jahr von dramatischen Ereignissen gekennzeichnet, die durch zwei rezente Forschungsvorhaben 1986 und 1989 dokumentiert wurden: Peter Swales hat die Patientin „Frau Cäcilie M“, die Freud nach Nancy zu Bernheim zwecks hypnotischer Behandlung begleitete, als Anna von Lieben identifiziert und ihre Lebensgeschichte rekonstruiert. Albrecht Hirschmüller hat eine vollständige Krankengeschichte aus dem Jahr 1889 entdeckt, in der Freud seine Patientin Mathilde S. in die Privatirrenanstalt des Dr. Svetlin eingewiesen hatte. Beiden Autoren schulde ich großen Dank; noch vor wenigen Jahren wären die Seiten dieses Aufsatzes über weite Strecken leeres Papier geblieben.
In dieses Jahr fallen auch der Höhepunkt des Konflikts mit Meynert und ein Abstecher nach Paris, der bis heute so gut wie völlig im Dunkeln liegt.
Freud ordiniert weiter in der Rathausstraße 7, die Praxis läuft unbefriedigend, so jedenfalls äußert sich Freud über diese Jahre insgesamt. Die Behandlung der Anna O. ist jetzt bereits sieben Jahre abgeschlossen, es gibt keinerlei veröffentlichte Zeugnisse darüber, was zwischen Breuer und Freud darüber gesprochen wurde; die vorläufigen Mit