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Die Entwicklungskontinuität der organisierten Psychoanalyse, der Freudschule als Gruppe, reicht bis 1902 zurück. Das Datum ist bekannt: in diesem Jahr wurde die Psychologische Mittwochgesellschaft gegründet. Davor gibt es im kollektiven Selbstbild der Psychoanalytiker nur Freud, allenfalls Freud mit seinen Freunden und Gegnern.
Von später her hat diese Sichtweise gewiß ihre Berechtigung. Aber sie läßt außer acht, daß Freud auch schon vor 1902, obgleich formloser, sporadisch und ohne bleibenden Effekt, ausgesprochene Schüler hatte. Einer von ihnen, der erste1 und zugleich derjenige, dessen Lehrzeit bei Freud am besten dokumentiert ist, steht im Zentrum der folgenden Studie. Freud nennt am 16.5.1897 gegenüber Fließ erstmals seinen Namen, wenn er schreibt (FF, S. 260)2: „Ich habe jetzt … einen wirklichen Schüler aus - Berlin, einen Dr. Gattel“. Die Betrachtung von Gattels Kontakt mit Freud wirft einiges Licht auf die Eigenart dieser frühen Ansätze zur psychoanalytischen Schulbildung und auf die Gründe ihres Scheitems. Wenn man weiß, welche Bedeutung Initialfälle, an denen ihm etwas aufgegangen ist, für den Erkenntnisweg Freuds im klinischen Bereich gespielt haben (Schröter 1988, S. 151-153), wird man um so eher bereit sein, sich diesen Initialfall im Bereich psychoanalytischer Ausbildung etwas genauer anzusehen.
Wer war jener Mann, Dr. med. Felix Gattel?
Diese Frage ist bezeichnenderweise schwerer zu beantworten als die nach seinem Verhältnis zu Freud.3 Während wir über das letztere neuerdings vor allem durch eine Serie von Hinweisen in der vollständigen Ausgabe der Fließbriefe (Freud 1986) informiert sind, haben wir darüber hinaus zu seiner Person nur wenige, ärmliche Daten. Gattel starb unberühmt, über Nachkommen ist nichts bekannt; Briefe von ihm an berühmtere Zeitgenossen scheint es, mit einer Ausnahme, nicht zu geben: fast alles historische Licht, das auf ihn fällt, strahlt von Freud aus, in dessen Umkreis er eine kurze Zeit lang gerie