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Paul Näcke , also fünf Jahre älter als Freud, war zum Zeitpunkt der Briefdaten ein weit über den deutschen Sprachraum hinaus bekannter Psychiater.
Er hatte in Leipzig und Würzburg Medizin studiert und sich auch mit Philosophie, Literatur und Kunstgeschichte befaßt.
Nach vorübergehender Tätigkeit in mehreren Pariser Spitälern am Anfang seiner Laufbahn, dann Assistenzarzt in Dresden, Danzig und Königsberg, wandte er sich 1880 der Psychiatrie zu. Anfänglich als Anstaltsarzt in Sachsen, in Colditz und Sonnenstein, später in Hubertusburg tätig, war er dort seit 1902 ärztlicher Vorstand der Anstalt für geisteskranke Männer. Im Jahre 1912 wurde er als Direktor der königlich-sächsischen Landes-Pflegeanstalt für Geisteskranke nach Colditz berufen.
Näcke war Ehren- und korrespondierendes Mitglied zahlreicher psychiatrischer und anthropologischer Gesellschaften, nicht nur europäischer Länder; von staatlicher Seite wurde ihm der Professorentitel verliehen.
Er beherrschte sieben Sprachen, unternahm zahlreiche Reisen (nicht zuletzt aus kulturellem Interesse) auch außerhalb Europas, besuchte dort die Spitäler und pflegte internationale Kontakte.
Er verfaßte zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, insgesamt etwa 150 Originalarbeiten, sowie unzählige Rezensionen, Mitteilungen und Referate in den verschiedensten Fachzeitschriften.
Er setzte sich mit den unterschiedlichsten psychiatrischen Themen auseinander. Bekanntheit erlangte er vorwiegend durch seine Arbeiten auf kriminal-anthropologischem Gebiet und trat als einer der ersten im deutschen Sprachraum den Auffassungen Lombrosos entgegen.1 Er forderte für die Unterbringung geisteskranker Rechtsbrecher sogenannte Adnexanstalten2; den Krankheitsbegriff der „Moral Insanity“ lehnte er als einer der ersten überhaupt ab.3
Seine besondere Aufmerksamkeit galt weiters den psychopathologischen Sexualproblemen, insbesondere der Homosexualität4, sowie der diagnostischen Bedeutung sexueller Träume5. Auch die (progressive) Paralyse gehörte zu seinen Arbe