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Anzieus Werk gehört zu den Klassikern der Psychoanalysegeschichte. Es handelt sich um die Übersetzung der im Vergleich zur ersten und zweiten stark überarbeiteten dritten Fassung des französischen Textes „L'auto-analyse de Freud et la découverte de la psychanalyse“, (Paris: Presses Universitaires de France ). Im Zentrum des Buches von Anzieu steht die Aufgabe, „die schöpferische psychische Arbeit, die zur Entdeckung der Psychoanalyse führte, so genau wie möglich zu rekonstruieren.“ (XIV). Bei dieser Rekonstruktion stützt sich Anzieu einerseits auf die von Freud selbst berichteten eigenen Träume und andererseits auf seine Kindheits- bzw. Deckerinnerungen und Fehlleistungen. Die von Anzieu als Zeitraum der Selbstanalyse bestimmte Periode erstreckt sich von 1895 bis 1901, also vom Irma-Traum (Juli 1895) bis zum Ende der Behandlung von „Dora“ (Dezember 1900).
Anzieu hat versucht, Freuds Träume so genau wie möglich zu datieren, um sie dann vor dem biographischen Hintergrund interpretieren zu können. Die Datierung ist ihm - sich weitgehend an Grinstein anlehnend - in den meisten Fällen gelungen, wenn sie auch hier und da korrigiert werden muß.1 Anzieu teilt sein Buch in sieben Kapitel ein. Sie behandeln in chronologischer Reihenfolge die Entwicklung von Freuds psychoanalytischen Ideen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Autor verzichtet dabei bewußt auf „jede soziologische Annäherung an Freuds Denken und Leben im Wiener Kontext Ende des 19. Jahrhunderts“ (XV) und verweist auf die einschlägige Literatur. Man mag ein solches Vorgehen kritisieren, doch Anzieu kann darauf verweisen, daß er inzwischen eine eigene - wenn auch weniger umfangreiche - Untersuchung zum Einfluß von Sprache und Kultur auf die Entdeckung der Psychoanalyse vorgelegt hat.2 Doch nun zu den einzelnen Kapiteln des Buches.
Das erste behandelt „Freud vor 1895“ und enthält als wichtigste Information eine Tabelle der „wichtigsten Begriffe, die Freud 1895 verwendet“ (14f.). Anzieu listet 65 theoretische u