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Mehr noch vielleicht als andere Wissenschaften bezeugt die Psychoanalyse, historisch betrachtet, wie unauflöslich Theoriegeschichte und Organisationsgeschichte miteinander verbunden sind. Beide sind im Rahmen gesellschaftlicher Bedingungen aufeinander verwiesen. Daraus folgt, daß die Geschichte psychoanalytischer Institutionen und Organisationen einschließlich der in ihnen anerkannten Formen von Theoriebildung und therapeutischer Praxis nur im Kontext gesellschaftlicher und kultureller Entwicklungen angemessen verstanden werden kann. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Nationalsozialismus. Er erweist sich als die entscheidende Bruchstelle auch für die Geschichte der organisierten Psychoanalyse. Man muß die Frage zu beantworten versuchen, inwiefern die unter seiner Herrschaft erzwungene Umgestaltung nach seinem politischen Ende fortgewirkt, inwiefern also die Selbstgleichschaltung der deutschsprachigen Psychoanalyse und Psychotherapie ihre Nachkriegsentwicklung bis hin zur Gegenwart mitbestimmt hat.
Jeder, der einen gesellschaftlichen Konsens aufkündigt, muß darauf gefaßt sein, als unmoralisch angeprangert und geächtet zu werden. Davor schrecken viele zurück. Man darf die Angst davor, anstößig zu erscheinen, nicht unterschätzen. Auch wissenschaftsgeschichtlich ist ihre Wirkung beträchtlich. Darüber hinaus muß aber danach gefragt werden, welche strukturell bedingten Zwänge dazu beigetragen haben, daß sich die Psychoanalyse von der kulturkritischen Richtung abgekehrt hat, die sie in durchaus nicht kulturfeindlicher Absicht eingeschlagen hatte. Bemerkenswerterweise wuchs die Bereitschaft, sich gesellschaftlich auferlegten Ideologien zu unterwerfen, mit dem theoretischen Abstand zu Freud. In ihrer materialreichen Arbeit zur Geschichte der Individualpsychologie in München zeigt Brigitte Bruns, wie wenig sich deren Organisation der Schwerkraft der gese