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„Die Geschichte der Widerstände zu schreiben, halte ich gegenwärtig für unfruchtbar und unzeitgemäß. Sie ist nicht sehr ruhmvoll für die Männer der Wissenschaft unserer Tage.“
„Ich habe übrigens Ihre Sache auch auf der Irrenärzteversammlung in Tübingen geführt gegenüber einer erdrückenden Opposition, unter der sich besonders Geheimrat Hoche durch Blödsinnigkeit der Argumente hervortat“, schrieb Carl Gustav Jung in einem seiner ersten Briefe an Sigmund Freud.1
Seit 1906, mit dem ersten öffentlichen Eintreten Jungs für die Freudsche Psychologie2 war die Aufmerksamkeit der Fachwelt (vor allem der Psychiater) auf den Wiener gerichtet, den man bislang zu ignorieren suchte.
In Zürich, an der renommierten Nerven- und Heilanstalt Burghölzli - und nicht im Deutschen Reich - sollte sich der erste Interessentenkreis für die (spätere) Psychoanalyse bilden. 1902 sammelte Jung, der erste Oberarzt Eugen Bleulers, des Leiters der Universitätsklinik, einen Kreis von Assistenten und angehenden Nervenärzten um sich, dem später namhafte Freudianer wie Hermann Nunberg, Karl Abraham, Max Eitingon, Ludwig Binswanger und Abraham A. Brill angehörten. Jung ‚weihte‘ auch Ernest Jones ein, der November 1907 in der Freudschen Gesellschaft hospitierte.3
Daß gerade die sexuellen Impulse und deren Verdrängung als Ursache der Neurosen gelten sollten, rief in der Fachwelt einen Sturm der Entrüstung hervor. Freuds Erfahrungen wurden kurzerhand zur „Schweinerei“ erklärt und abgekanzelt: „Dies ist kein Diskussionsthema für eine wissenschaftliche Versammlung, dies ist Sache der Polizei“4, wie sich der Geheime Medizinalrat Professor Wilhelm Weygandt5 auf dem Kongreß deutscher Neurologen und Psychiater in Hamburg Luft machte. Einer Phase des Totschweigens waren nach Erscheinen der ersten sexualtheoretischen Abhandlungen und Fallstudien Freuds, (den Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie und der „Dora“-Analyse) massive Angriffe gefolgt, die den Wiener Privatdozenten ins Visier nahmen.