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Für unsere Ausbildungskandidaten
Der „Kampf um die Erinnerung“ (Mitscherlich 1975) setzt langwierige innere Verarbeitungsprozesse voraus, bevor seine Ergebnisse äußerlich sichtbar werden. Dies gilt auch auf der gesellschaftlichen Ebene: Historische und kulturelle Veränderungen werden unter anderem erst in ihren wissenschaftlichen Produkten - hier: in einer langsam sich durchsetzenden Neueinschätzung der Geschichte psychoanalytischer Theorie und Praxis sichtbar.
Nach einem zögerlichen Beginn in den vergangenen Jahren läßt sich nunmehr beobachten, daß eine intensive Erinnerung und Aufarbeitung der Geschichte der Psychoanalyse unter den Bedingungen des Nationalsozialismus eingesetzt hat, die noch vor etwa zehn Jahren nicht möglich schien. Dies gilt für die deutschsprachige Psychoanalyse (Lohmann/Rosenkötter 1982, , Grunert 1984, Lockot 1985, Brecht et al. 1985, Thomä 1986, Ermann 1986) ebenso wie für die Entwicklung in Frankreich (Féral 1987, de Mijolla 1988) England (Pearl King 1989, Reed 1988) Italien (Accerboni 1988), die USA (Reed 1988) und international (Limentani 1989, Steiner 1989).
Parallel hierzu und als ein weiteres Indiz für die offenbar erst jetzt möglich werdende Bearbeitung der jüngeren und jüngsten Vergangenheit in größerem Umfang sind die Forschungen im Rahmen der Psychiatrie zu sehen, die die nationalsozialistischen Verbrechen in deutschen psychiatrischen Krankenhäusern aufklären (z.B. v.Cranach 1989, Cording 1990) sowie die zahlreichen lokalen Aktivitäten an den Universitäten, für die hier stellvertretend ein medizinhistorisches Seminar in München genannt werden soll .2
Mit den zahlreichen Arbeiten zur Geschichte der Psychoanalyse unter den Terrorbedingungen des Nationalsozialismus ist nunmehr die Chance gewachsen, diese nicht mehr nur als eine der den unterschiedlichen persönlichen Begrenzungen unterworfenen Individuen zu schreiben, die zum Beispiel in Deutschland individuell mit der Alternative „Rettung“ oder „Liquidation“ konfrontiert waren, sondern au