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Sigmund Freud: Einer der Schrittmacher des „Maximalismus des Denkens“
Zentren der Psychoanalyse waren, bevor der Nationalsozialismus im Januar 1933 die Staatsmacht erlangte, Wien, Berlin, Budapest, London und - Moskau, wobei die Unterdrückung der Psychoanalyse, die in Berlin, Wien und Budapest nach Adolf Hitlers Ernennung zum Reichskanzler einsetzte, in Moskau bereits um 1930 begonnen hatte. In der Blütezeit der Psychoanalyse in der UdSSR - nach meinem Wissen zwischen etwa 1920 und 1927 - zählten Lew S. Wygotski und vor allem Alexander R. Luria eine Zeitlang zu den aktiven Mitgliedern der Russischen Psychoanalytischen Vereinigung. Wygotski und Luria sind weltweit bekannt, aber nicht wegen ihrer Tätigkeit als Psychoanalytiker, sondern weil sie zusammen mit Alexejew N. Leontjew die kulturhistorische Schule der Psychologie begründeten. Luria trat später, nach Ausbreitung und Festigung des Stalinismus, nicht mehr für die Psychoanalyse ein. Im Gegenteil: er bagatellisierte seine frühere Zugehörigkeit zur psychoanalytischen Bewegung und übte scharfe Kritik an der Psychoanalyse.
Bei Wygotski wissen wir einfach zu wenig darüber, ob und in welcher Form sich seine Grundeinstellung zur Psychoanalyse seit 1925 - dem Jahr, in dem Jenseits des Lustprinzips“ auf russisch erschien - bis zu seinem Tod im Jahre 1934 veränderte. Zur Mitgliedschaft Lurias und Wygotskis in der Russischen Psychoanalytischen Vereinigung habe ich mich bereits (; ) geäußert und muß die Leserinnen und Leser, die sich für eine Vertiefung in die Thematik interessieren, auf diese Schriften verweisen.
Der vorliegende Text, den Wygotski und Luria verfaßt haben, ist von großer Bedeutung. Zum einen kommt eine Begeisterung für die Fähigkeit Freuds zum Ausdruck, originelle, wissenschaftlich anregende, vielversprechende Fragen zu stellen - eine Begeisterung, die unseres Wissens danach nicht mehr zu hören war. Zum anderen werden Freuds höchst gewagte Spekulationen mit großem Ernst unter die Lupe genommen und äußerst gutwi