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„An der Psychoanalyse ist nichts wahr als ihre Übertreibungen“.
Die „sehr komplizierten ätiologischen Verhältnisse“ (1895f, 371) der neurotischen Erkrankung hatte Freud 1895 in dem Aufsatz „Zur Kritik der ‚Angstneurose‘“ differenziert dargestellt. In einem viergliedrigen Schema hatte er in Form einer „ätiologischen Gleichung“ schon damals die Alternative zwischen Anlage oder Umwelt1 zu vermeiden gewußt. Neben „a) Bedingung, b) spezifische Ursache, c) konkurrierende Ursache“ erwähnt er als viertes Glied „d) Veranlassung oder auslösende Ursache“ (1895f, 372) und meint, daß im allgemeinen alle vier Punkte gegeben sein müssen, damit eine Neurose entstehe. Unter der „Bedingung“ versteht er „solche Momente“, „bei deren Abwesenheit der Effekt nie zustande käme, die aber für sich allein auch unfähig sind, den Effekt zu erzeugen, sie mögen in noch so großem Ausmaße vorhanden sein. Es fehlt dazu noch die spezifische Ursache“. Mit anderen Worten: es handelt sich dabei um die sogenannte „Disposition“, die er für erworben oder angeboren hielt (cf. Freud 1916-17a, 376, Schema der Ergänzungsreihe), die allerdings noch des „spezifischen“ - des sexuellen - Elements bedarf. Damit stellte sich Freud offen gegen die herrschende psychiatrische Meinung seiner Kollegen und Lehrer, die allein in einer pathogenen Heredität den letzten Grund der Krankheit sahen.
„Charcot stellte eine einfache Formel für diese [die Ätiologie der Hysterie] auf: als einzige Ursache hat die Heredität zu gelten, die Hysterie ist demnach eine Form der Entartung, ein Mitglied der famille névropathique; alle anderen ätiologischen Momente spielen die Rolle von Gelegenheitsursachen, von agents provocateurs“ (1893f, 33; auch 1896c, 423).
So kritisiert er in seinem Nachruf auf seinen berühmten französischen Lehrer diese Haltung: „Charcot überschätzte die Heredität als Ursache so sehr, daß kein Raum für die Erwerbung von Neuropathien übrig blieb“ (1893f, 35).
Und um diesen Raum der Erwerbung ging es Freud. I