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Wenn Lacan zu einem wichtigen Neu-Interpreten der Psychoanalyse nach Freud wurde, so nimmt dabei seine Theorie des Spiegelstadiums eine zentrale Rolle ein. Zentral aus mehreren Gründen: Gegenüber der Philosophie meint Lacan mit dem Spiegelstadium eine Kritik des Cogito leisten zu können, die das fundamentum inconcussum der neuzeitlichen Bewußtseinsphilosophie seit Descartes gründlich unterminiert: hatte es bisher das Privileg, Ort der Wahrheit zu sein, so entlarvt es Lacan als Ort der Verkennung. Gegenüber der damaligen Ichpsychologie in der Nachfolge von Heinz Hartmann weist er damit deren Wiedereinführung der Autonomie des Ich entschieden zurück. Gegenüber Freud jedoch versucht Lacan mit dem Spiegelstadium die Fundamente psychoanalytischer Theorie noch tiefer zu legen als deren Begründer das bereits getan hatte. - Wie immer man zu Lacans Theorie steht: Er hat das Verdienst, daß er mit dieser Arbeit die unselige Diskussion über einen primären Narzißmus als einen noch völlig objektlosen Zustand aufgebrochen und den Narzißmus - bereits traditionell als die Liebe zu seinem Spiegelbild definiert - als Problem einer Beziehung dechiffriert hat: derjenigen zu sich selbst.
Freud hatte auf genauere zeitliche Angaben, wann das Ich entstehe, verzichtet zugunsten seiner ebenso offenen wie folgenschweren Behauptung von der prinzipiellen Verspätung des Denkens gegenüber der psychischen Entwicklung. Diese Verspätung war Voraussetzung für die Existenz einer dem Bewußtsein entzogenen, aber gerade deswegen wirksamen psychischen Macht: der Macht des Unbewußten. So gesehen, entsteht ein eigentliches Unbewußtes genaugenommen erst in demjenigen Moment, da ein einheitliches und einheitsstiftendes Bewußtsein auftaucht. Es ist derselbe, wenn auch gegenläufige Prozeß: Das Bewußtsein konstituiert sich, indem es gewisse psychische Inhalte aus sich ausstößt oder aber bestimmte Triebrepräsentanzen nicht übernimmt. Was bisher an sich unbewußt gewesen war, wird nun als Unbewußtes gesetzt. Kein ps