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Wie feministische und psychoanalytische Kritik inzwischen wohl hinlänglich klar gemacht haben, kreisen Freuds Überlegungen zur weiblichen Sexualentwicklung beständig um eine somatische Differenz, der er normierende Kraft einräumt. Ganz selbstverständlich läßt er das kleine Mädchen „die Entdeckung seiner organischen Minderwertigkeit“1 machen. Dabei unterläuft ihm eine geradezu klassische Fehlleistung. Er behauptet nämlich, jedes Mädchen, das sich seiner Geschlechtszugehörigkeit bewußt werde, anerkenne, wenn auch widerstrebend, „die Tatsache seiner Kastration und damit auch die Überlegenheit des Mannes und seine eigene Minderwertigkeit.“2 Um aus der zwiespältigen Einstellung des Mädchens „gegen diesen unliebsamen Sachverhalt“3 die Entwicklung zur normalen (sozial anerkannten) Weiblichkeit ableiten zu können, verknüpft er Wahrnehmung und Wertung zu einer spekulativen Tatsachenunterstellung.
Für Freud steht die Negation des weiblichen Geschlechts am Anfang der Entwicklung zur Weiblichkeit, die er als unveränderliches Naturschicksal begreift, gegen das kein Einspruch möglich ist. Mit der Voraussetzung, die psychische Bedeutung des Körpers sei an der körperlichen Beschaffenheit selbst aufgefunden, pflanzt er seinen sichtbaren Äußerungen eine innere Naturbestimmung ein. Sein Glaube, für den Wahrnehmenden sei das Urteil über den (eigenen oder fremden) Körper unmittelbar aus dessen Merkmalen abzulesen, erlaubt es ihm, ein anthropologisches Urteil über gesellschaftliche Verhältnisse zu fällen. Unvermerkt erschleicht er sich dadurch die vermeintliche Bestätigung für sein Vorurteil, die weibliche Selbsteinschätzung beruhe, wie auch die männliche „Geringschätzung für das als kastriert erkannte Weib“,4 auf Organgrundlagen, in deren Existenz ein objektiv bewertbarer Unterschied vorliege.
Freud hat sich niemals eingestanden, wie sehr seine Mutmaßungen über Weiblichkeit vom Verbotsschema unerwünschter Wünsche geprägt sind. Unbedacht übernimmt er den infantilen Blick auf unverstandenes