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Sándor Ferenczi, die führende Persönlichkeit der Budapester psychoanalytischen Schule, kam mit Georg Groddeck, dieser herausragenden Gestalt der frühen Psychosomatik, 1917 in Kontakt. Von Anfang der zwanziger Jahre an waren sie einander in Freundschaft verbunden, was für den Budapester Mediziner die Abkühlung seines Verhältnisses zu Freud ersetzte und kompensierte. Ferenczi besuchte den „wilden Psychoanalytiker“ häufig in dessen Sanatorium in Baden-Baden, und auch Groddeck besuchte ihn in Budapest (Ferenczi und Groddeck, 1986; Harmat, 1985, 1988; Will, 1984).
Durch Ferenczi lernte Groddeck einige ungarische Schriftsteller kennen. Dezsö Kosztolányi, Milán Füst und Zsófia Dénes hielten ihre Erinnerungen an den deutschen Psychosomatiker auch in ihren Schriften fest. Da diese nur in ungarischer Sprache zugänglich sind, wollen wir sie im folgenden zusammenfassen. Die Beobachtungen der drei ungarischen Schriftsteller bereichern das von Groddeck bisher entstandene Bild.
Auf das vielseitige Schaffen von Dezsö Kosztolányi übte die Psychoanalyse eine tiefgreifende Wirkung aus. Besonders seinen Romanen (unter ihnen dem Roman Nero, der blutige Dichter, zu dem Thomas Mann das Vorwort schrieb) ist der Einfluß der Freudschen Lehre anzumerken. Es verband ihn eine innige Freundschaft mit Ferenczi, der unter den Budapester Schriftstellern viele Bekannte und Bewunderer hatte. Als Ferenczi starb, schrieb Kosztoiányi seinen Nachruf (Kosztoiányi, 1933) in Nyugat (Westen), der bedeutendsten ungarischen Literaturzeitschrift.
Kosztoiányi schrieb nicht nur Romane, Erzählungen, Gedichte und Essays, sondern wirkte auch als Journalist. In der Zeitung Pesti Hirlap (Pester Nachrichtenblatt) erschien am 21. November 1925 ein Interview von ihm, mit dem Titel Groddeck, der Arzt der Seele (Kosztoiányi, 1925). Die Begegnung mit dem in Budapest weilenden Baden-Badener Arzt, den Kosztoiányi als eine „auch in seiner Erscheinung eingebungsvolle Persönlichkeit“ schilderte, hatte vermutlich Ferenczi arrangier