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Seit etwa 1911/12 hatte eine kleine Anzahl von Ärzten in Deutschland sich der Psychoanalyse zugewandt. Sie hatten sich Sigmund Freud angeschlossen und bildeten einen zwanglosen Zirkel, der sich einmal im Monat zusammenfand. Meist fanden die Zusammenkünfte im Hause von Dr. Karl Abraham statt, einem sehr begabten jüngeren Arzt, der in der Rankestraße in Berlin lebte. Er ist leider sehr früh - ich glaube, noch während des Krieges - gestorben.1 Außer ihm nahm daran Sanitätsrat Dr. Heinrich Körber noch teil, auch längere Zeit Vorsitzender des Monistenbundes in Berlin, der bekannte Elektrophysiker Graf Arco folgte ihm nach Körbers Tod. Hans Blüher, dessen Werk „Die Rolle der Erotik in der männlichen Gesellschaft“ eine Zeitlang große Beachtung fand, nahm auch daran teil. Er war nach dem Kriege einer der ersten, der das jüdische Problem in seinen Schriften behandelte.
Aus Dresden kam zuweilen der Arzt Dr. Arthur Stegmann, seine Frau auch manchmal, ebenfalls Ärztin und spätere Abgeordnete.2 Beide sind früh gestorben. Sanitätsrat Dr. Juliusburger, der lange ein Sanatorium in Schlachtensee leitete, kam auch dazu. Aus Leipzig erschien Dr. Rohleder, der als Arzt und sexualwissenschaftlicher Schriftsteller sich mit seinen Anschauungen sehr vereinsamt fühlte in Leipzig. Ferner erinnere ich mich an Dr. Karl Müller-Braunschweig, einer der wenigen Nicht-Ärzte in dieser Gesellschaft, und seine damalige Frau, die Ärztin war.3 Eine der jüngeren Kräfte war Frau Dr. Karen Horney, in deren Haus in Zehlendorf auch zuweilen die Abende stattfanden, eine sehr kluge, aufgeschlossene Frau. Sie ist jetzt in Chicago und hat sich einen ausgezeichneten Namen als Psychoanalytikerin gemacht.
Da ich durch meine Arbeit den Kampf gegen Vorurteile und Heuchelei schon länger als ein Jahrzehnt geführt hatte, hatte man die Freundlichkeit, mich zur Teilnahme an den Sitzungen aufzufordern. In meiner Zeitschrift hatte ich auch öfter Beiträge aus dem Bereich der Psychoanalyse veröffentlicht, und bis zur Nachkriegs