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Als der Ethnologe Hans Peter Duerr 1988 seinen Großangriff auf die Zivilisationstheorie von Norbert Elias eröffnete,1 warf ihm Ulrich Greiner in einem polemischen Beitrag in der Zeit vor,2 Duerrs Kritik vermöge die theoretische Position Elias' schon allein deshalb nicht zu erschüttern, weil sie sich lediglich auf zwei, eher marginale, Kapitel jenes Werkes beschränke, das in seiner ganzen Anlage weit mehr intendiert als Beschreibung und Analyse sich wandelnder Einstellungen zum nackten Körper und zur Beziehung zwischen den Geschlechtern im von Elias so genannten Prozeß der Zivilisation, d. h. im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. In seiner nicht minder polemischen Replik3 wies Duerr diesen Einwand mit der Bemerkung zurück, Greiner habe das Hors d'oeuvre gegessen und tue so, als sei er schon beim Nachtisch. Mit dieser Bemerkung erweckte Duerr beim neugierigen Leser den Eindruck, als sei der erste Band des Mythos vom Zivilisationsprozeß, der von Nacktheit und Scham handelt, nur eine Art Vorgeplänkel und als komme der Autor in den Folgebänden erst so richtig „zur Sache“.
Inzwischen liegt der zweite Band vor - und wir befinden uns immer noch beim Hors d'oeuvre. Nach der Lektüre dieses Bandes beschleichen den Leser leise Zweifel daran, ob Duerr über substanzielle Argumente verfügt, die über das hinausgehen, was er bisher vorgebracht hat. Denn was den Kern der Argumente gegen Elias betrifft - nämlich daß dieser mit seiner Annahme einer relativ großen „Schamlosigkeit“ und „Ungeniertheit“ hinsichtlich der Nacktheit des menschlichen Körpers im Mittelalter wie in sog. primitiven Gesellschaften und einer wachsenden „Schamhaftigkeit“ und „Geniertheit“ gegenüber dem nackten Körper in der bürgerlich-westlichen Zivilisation irre -, so hat sich Duerr keinen Zentimeter fortbewegt. Alles, was im zweiten Band gegen Elias (und nebenbei auch gegen Autoren wie Philippe Ariès und Michel Foucault) theoretisch und empirisch vorgetragen wird, findet sich bereits im ersten Band, so daß es na