You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der biographische Zugang zur Geschichte ist umstritten. Am Beispiel Hitlers, an der Frage seiner Funktion für den Nationalsozialismus ist dieser Streit immer wieder geführt worden. Sicher ist, daß die nationalsozialistische Herrschaft nicht aus dem pathologischen Charakter einiger weniger oder gar nur eines einzigen Menschen zu erklären ist.
Hitler stellt vor die Frage nach den Grenzen des historisch Verstehbaren. Es genügt daher nicht, ihn als vielgeprügeltes Kind, als asozialen Außenseiter oder als gebundenen Delegierten seiner Mutter zu beschreiben. Deshalb sind auch alle psychoanalytischen Versuche zu Hitler, die das Politische aus dem familiären Bezugsrahmen einer individuellen Lebensgeschichte ableiten wollen, unbefriedigend geblieben. Gudrun Brockhaus hat dies in ihrem Beitrag deutlich gemacht. Wie wichtig die visuelle Inszenierung des Führerkultes mit propagandistischen und werbetechnischen Mitteln, der Einsatz moderner Instrumente also, für den Aufstieg des Nationalsozialismus und die Erhaltung seiner politischen Macht war, zeigt die Arbeit von Brigitte Bruns.
Hitler war nicht zu jeder Zeit möglich. Man muß sich der Frage nach dem historischen Ort seiner Wirkung stellen. Warum erlagen so viele seiner Faszination? Warum wuchs in Deutschland zu dieser Zeit die Bereitschaft, sich ihm zuzuwenden? Eine Antwort darauf zu finden, ist gewiß nicht einfach. Zur Lösung dieses überaus vielschichtigen Problems ist ein interdisziplinärer Ansatz erforderlich, der nicht nur die sogenannte objektive Realität, sondern auch ihre Deutung im subjektiven Erleben berücksichtigt. So erinnert Emst Federn an die kriminelle Energie des Nationalsozialismus, die in neueren Debatten über Modernisierung und Rationalisierung allzusehr in den Hintergrund gedrängt wird. Birgit Erdle stellt den „Tod des Widersachers“, den in Deutschland noch immer viel zu wenig gewürdigten Roman von Hans Keilson vor. Karin A. Dittrich schließlich geht der Frage nach, welche Spuren die Beziehungsdynamik des Bru