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Hintergrund für meine eigene Beschäftigung mit dem vorliegenden Thema ist eine frühere Analyse der Beziehungsdynamik und des Bruchs zwischen Freud und Jung im Hinblick auf deren Bedeutung für die Entwicklung der psychoanalytischen Bewegung (vgl. Dittrich 1988). Die Auseinandersetzung beider Männer setzte sich, zumindest was C.G. Jung betrifft, bis zu dessen Tod im Jahre 1961 fort. Auf der Seite Freuds übernahmen, nachdem Freud 1914 seine „Geschichte der psychoanalytischen Bewegung“ verfaßt hatte, dessen Schüler Abraham, Eitingon und Jones die Aufgabe, sich inhaltlich gezielt und kritisch mit Jungs Abweichungen von den Basisregeln des psychoanalytischen Ansatzes zu befassen, wobei Abraham und Jones in erster Linie den Libidobegriff C.G. Jungs, Eitingon eher sein Konzept des Unbewußten kritisierten (vgl. Abraham 1914, Jones 1914, Eitingon 1914). Als Psychoanalytiker der zweiten Generation hat Glover 1950 eine umfassende Einschätzung und Kritik des theoretischen und methodologischen Ansatzes C.G. Jungs unternommen, die bis zum heutigen Tag in dieser Gründlichkeit einzigartig geblieben ist.2
Jung stand bezüglich seiner öffentlichen Auftritte später immer wieder im Kreuzverhör von Zustimmung, Kritik und Empörung. Diese bewegten sich, ausgehend von der Frage, inwieweit Jung aktiv in die Gleichschaltungsvorgänge während des Dritten Reiches involviert war bzw. zur Rettung der deutschen Psychoanalyse angetreten war, bis hin zum offenen Vorwurf des Antisemitismus und der Nazi-Ideologie.
Absicht und Ziel dieses Aufsatzes sind eine differenzierte Einschätzung seines Verhaltens und seiner Äußerungen gegenüber der Psychoanalyse vor, während und nach dem Dritten Reich sowie eine anschließende Analyse der zugrundeliegenden Konfliktdynamik in der Person C.G. Jungs, soweit sie bisher für mich nachvollziehbar und verständlich wurde. Hinsichtlich des verwendeten primären Quellenmaterials sind vor allem Briefdokumente und in den USA veröffentlichte Zeitungsartikel aus dem Jones-Archiv in