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„… es ist Zeit, daß man weiß!Es ist Zeit, daß der Stein sich zu blühen bequemt,daß der Unrast ein Herz schlägt.Es ist Zeit, daß es Zeit wird.Es ist Zeit.“
Im Oktober 1989 hatte ich in Hannover an dem Kongreß zum Thema: „Psychische Schäden alternder Überlebender des Naziterrors und ihrer Nachkommen“ teilgenommen. Nach Hause zurückgekehrt, fand ich ein Päckchen mit dem Buch. „Ich hoffe, es hilft Dir“, schrieb der Absender - Sohn eines Täters und langjähriger Freund. Noch bevor ich mich bedanken konnte, brach am 9. November die Mauer ein: „… Lauter Raum / reißend von weit herein…“, Rilkes „Lied vom Meer“ gegen eine Welle von Angst, gegen eine Flut von Erinnerung.
Es folgte die allgemeine Verordnung: Die Nachkriegszeit ist zu Ende. Ein Kalenderblatt wird abgerissen. Wenn nicht mehr über das Leben entschieden wird, dann zumindest darüber, wie und was erlebt werden soll. Laß die Vergangenheit ruhen! Ein Befehl, seit ich denken kann. Ist die Nachkriegszeit jetzt wirklich zu Ende?
Das führt mich zurück in die Zeit, aus der das Buch von Anita Eckstaedt erwachsen ist. Die Autorin ist nur wenig älter als ich, wir gehören zur gleichen Generation und sind im gleichen Land geboren. Aber damals trennten uns Welten. Wenn uns heute noch immer Welten trennen, dann auf Grund-jener Vergangenheit, die auf eine sehr unterschiedliche Weise für sie so wenig wie für mich vergehen will.
Zu der Zeit, als Täter und Mitläufer offenbar unbeschadet und unbeschädigt den Höhepunkt ihrer Karrieren in der Bundesrepublik feierten, nahm der „Kleinkrieg gegen die Opfer“ (Pross, 1988) in Wiedergutmachungsprozessen weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit seinen Lauf, während Flüchtlinge und Vertriebene als Opfer anerkannt, längst durch Lastenausgleich entschädigt, unbeeindruckt nach den Grenzen von 1937 riefen.
Dieses Phänomen, das zusammen mit dem hektischen Wiederaufbau bis hin zum Wirtschaftswunder sich als manische Abwehrreaktion deuten