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Der Autor Han Israëls provoziert Aggression und, wenn einem diese Abwehr liegt, Pedanterie. Das war bei seinem Schreber-Buch so (; vgl. Nitzschke 1990; Schiffman 1991) und ist bei dem oben abgedruckten Leonardo-Aufsatz nicht anders. Fruchtbar dagegen wird der Aufsatz durch seine radikalen Ausgangspositionen, die zur Erörterung einiger Grundfragen der Theoriebildung und des biographischen Schreibens anregen. Diese Diskussion reicht über den aktuellen Anlaß hinaus, da Israëls im Begriff ist, seine Freud-Studien zu einer veritablen „Biographie“ zu erweitern (, S. 129 Anm. d. Hrsg.), und da sein Beispiel bei jüngeren Leuten Schule zu machen beginnt (siehe Busse 1991).
In einem früheren Artikel faßt Israëls die Hauptthese und wohl auch das Programm seiner gegenwärtigen Studien in dem Satz zusammen (1986, S. 18): „Wenn wir uns ansehen, wie Freud mit den Tatsachen umspringt, dann finden wir, daß er das so schlampig (slordig) tut, daß wir ihn als Wissenschaftler nicht ernst zu nehmen brauchen.“ Diese These hat er an Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci (Freud 1910c) exemplarisch ausgeführt. Seine Wortwahl ist inzwischen abgeschwächt, aber sein Urteil in der Substanz unverändert: Freud sei in seinem Umgang mit Fakten „gleichgültig“ und „unbekümmert“ gewesen, was seinem Schaffen „den tragischen Zug des wissenschaftlichen Mißglückens eingeprägt“ habe (, S. 24, 31, 38). Es sind z.T. minimale Einzelheiten, auf denen diese Schlußfolgerung beruht, und Israëls hat keine von ihnen selbst entdeckt (vgl. Wohl/Trosman 1955; Schapiro 1956; Eissler 1961). Dennoch lohnt es sich auf sie einzugehen, weil sie in der Tat ein Licht auf Freuds Arbeitsweise werfen und insofern lehrreich sind für alle, die ihr Ideal von Wissenschaft mit der irdischen Praxis eines besonders reichen und kreativen Forschers der Vergangenheit vergleichen wollen.