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Michael Schröter hat eine Antwort verdient. Ich werde mit den Detailfragen beginnen, um dann auf einige, mehr allgemeine Punkte einzugehen: das Wissenschaftsverständnis, das Schröter mir zuschreibt, und das Ausmaß, in dem sich Freud in seinem Werk durch empirische Informationen leiten ließ.
Zunächst einmal zum „Geier“, auf dem ein Großteil der Freudschen Argumentation beruht. Der Leser wird sich erinnern: Ausgangspunkt der Beweisführung Freuds ist eine beiläufige Mitteilung Leonardo da Vincis, in der er sich erinnert, daß er, als er noch in der Wiege lag, von einem „nibio“ besucht wurde, der mit seinem Schwanz gegen den Mund des kleinen Leonardo schlug. In der deutschen Übersetzung eines russischen Romans über Leonardo da Vinci stieß Freud zum ersten Mal auf diese Kindheitserinnerung. Dort war der ursprüngliche „nibio“ - auf dem Umweg über ein russisches Wort - als „Geier“ übersetzt worden. Freud benutzte diesen „Geier“ als Ausgangspunkt für eine komplexe Beweisführung, die ihn - nach einer Diskussion über die Bedeutung, die der Geier in der ägyptischen Mythologie und bei den Kirchenvätern besaß - zu der Schlußfolgerung führte, daß der kleine Leonardo die ersten drei bis fünf Jahre seines Lebens bei seiner unverheirateten Mutter zugebracht haben müsse, die „keinen Mann hatte“ und deshalb ihr Bedürfnis nach Zärtlichkeit an ihrem kleinen Sohn ausgelebt habe. Dessen Libido sei dadurch vorzeitig wachgerufen worden, so daß er der Mutter in seinem späteren Leben nicht mit anderen Frauen habe untreu werden wollen; aus diesem Grund sei er homosexuell geworden. Die Abwesenheit einer Vaterfigur habe auch noch einen anderen Effekt gehabt: die Neugierde des kleinen Leonardo sei nicht durch eine väterliche Autorität gebremst worden; darum konnte er später ein so großer Wissenschaftler werden. Soweit Freud.
Bisher wurde immer behauptet, Freud sei mit seinem „Geier“ nicht nur durch die falsche Übersetzung in dem besagten russischen Roman in die Irre geleitet worden, sondern ebenfall