You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Sigmund Freud sagte über sich, „er scheine dazu bestimmt, nur Selbstverständlichkeiten zu entdecken: daß Kinder sexuelle Gefühle hätten, was jedes Kindermädchen wisse…“ (Jones, , S. 406). Erinnerungen an die eigenen Kinderjahre mit einer Kinderfrau hatten ihn 1897 auf einen einzigen Gedanken ‚von allgemeinem Wert‘ gebracht, den Ödipuskomplex. Geht man der Frage nach, warum gerade Freud zum Entdecker der kindlichen Sexualität und der inzestuösen Eltern-Kind-Beziehungen wurde, lassen sich Verbindungslinien zwischen seinen wissenschaftlichen Theorien und seiner persönlichen Kindheitsgeschichte hersteilen. Dieses psychoanalytische Vorgehen ist zuerst von Freud selbst in bezug auf den Künstler und seine Werke angewendet worden: „Der Zusammenhang zwischen den Kindheitseindrücken und Lebensschicksalen des Künstlers und seinen Werken als Reaktionen auf diese Anregungen gehört zu den anziehendsten Objekten der analytischen Betrachtung“ (1913a, S. 417). Ich möchte im folgenden zeigen, daß besondere Konstellationen in Freuds Kindheit ihm die Annäherung an das Inzestthema ermöglichten und sowohl die persönliche Betroffenheit als auch die für eine wissenschaftliche Bearbeitung notwendige Distanz herstellten.
Freud war der erste Sohn seiner jungen hübschen Mutter. Zu ihrer Unterstützung wurde eine tschechische katholische Kinderfrau, Resi Wittek (Sajner, 1981), eingestellt. Als Freud 1;5 Jahre alt war, kam der zweite Sohn, Julius, zur Welt. Der Säugling erkrankte an einer Darmentzündung und starb mit sechs Monaten. Noch vor seinem Tod wurde Freuds Mutter wieder schwanger. Das dritte Kind, Anna, wurde geboren, als Freud 2;8 Jahre alt war. Kurz danach wurde die Kinderfrau wegen Diebstahls entlassen. Dann verließ die Familie den Wohnort Freiberg und zog nach Wien.
In Freiberg hatte d