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„Wir können keinen Analysanden in Analyse nehmen, ohne daß dieser versucht, uns zu verführen, und wir können keinen analytischen Prozeß einleiten, wenn wir uns nicht eingestehen, daß wir ihn dazu verführen.“
Im März 1912 eröffnete Freud das erste Heft der neu ins Leben gerufenen Zeitschrift „Imago“ mit seiner Abhandlung „Die Inzestscheu. Über einige Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden und der Neurotiker“, die den ersten Teil des Gesamtwerks „Totem und Tabu“ bildete. Bereits 1897 hatte er in dem seinem Brief an Wilhelm Fließ vom 31.5.1897 beigefügten Manuskript eine erste kulturelle Konzeption der Inzestscheu entworfen.
„‚Heilig‘ ist, was darauf beruht, daß die Menschen zugunsten der größeren Gemeinschaft ein Stück ihrer sexuellen und Perversionsfreiheit geopfert haben. Der Abscheu vor dem Inzest (ruchlos) beruht darauf, daß infolge der sexuellen Gemeinschaft (auch in [der] Kinderzeit) die Familienmitglieder dauernd zusammenhalten und des Anschlusses an Fremde unfähig werden. Er ist also antisozial - Kultur besteht in diesem fortschreitenden Verzicht. Dagegen der,Übermensch‘“ (Briefe an W. Fließ , S. 269).
Die seit 1910 zunehmend verschärfte Auseinandersetzung mit Jung über den Libidobegriff, welche in direktem Zusammenhang mit dessen Arbeit „Wandlungen und Symbole der Libido“ stand und im Gefolge Freud zu einer wissenschaftlichen Entgegnung veranlaßte, wurde unterstützt durch das zeitgleiche Erscheinen von J. G. Frazer's Buch „Totemism and Exogamy“. Dieses vierbändige ethnologische Gesamtwerk wurde neben der Völkerpsychologie Wilhelm Wundts für Freud zur wesentlichen Quelle dieses ersten Entwurfs einer kulturtheoretischen Schrift.
In seinem im September 1913 bei einem Romaufenthalt verfaßten Vorwort zu den fertiggestellten vier Abhandlungen definierte Freud das Tabu als