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Die Geschichte der Psychoanalyse ist eine Geschichte von Spaltungen. Wer wollte das verkennen? Sie ist aber auch, das sollte darüber nicht vergessen werden, die Geschichte einer Ausbreitung. Wien, Zürich, Budapest, Berlin. Mit diesen Städtenamen verbindet sich beides, Entfaltung und Konflikt. Nach bescheidenem Anfang gewinnt Berlin zunehmend an Bedeutung, beginnt schließlich sogar, den anderen Städten den Rang abzulaufen. Das Berliner Psychoanalytische Institut steigt zum organisatorischen Zentrum der institutionalisierten Psychoanalyse auf, wird auch international gesehen zum Vorbild für andere Institute, die sich an ihm orientieren.
Von dieser Zukunft ist bei Freuds erstem Aufenthalt in Berlin, den Johann Georg Reicheneder sorgfältig nachzeichnet, noch nichts zu ahnen. Im Vergleich mit Paris, wo er von Charcot fasziniert wurde, bietet ihm die Stadt, die er einen Monat lang besucht, um sich klinisch fortzubilden, wenig Anregendes. Dennoch: Berlin ist schulbildend geworden. Ein kleines Vorzeichen ist vielleicht darin zu sehen, daß Freuds erster Schüler, Felix Gattel, aus Berlin kommt. Michael Schröter und Ludger M. Hermanns, die schon früher den Spuren dieses nahezu Unbekannten nachgegangen sind, haben weiteres Material zusammengetragen und zu einer reizvollen Studie zusammengefügt.
Die Berliner Psychoanalytische Vereinigung ist das gemeinsame Werk vieler Mitglieder. Die Arbeit von Ludger M. Hermanns macht gleichwohl deutlich, daß Karl Abraham zweifellos die beherrschende Gestalt ist, ohne die Berlin seine überragende Stellung nicht gewonnen hätte. Nicht zuletzt auch durch den Zustrom von außen (aus Ungarn stammen beispielsweise Franz Alexander, Sándor Radó, Michael Balint und Geza Roheim, aus Wien kommen unter anderem Hanns Sachs, Otto Fenichel und Helene Deutsch) wurde das Berliner Institut zu einem international vielbeachteten Zentrum und zu einer gesuchten Ausbildungsstätte für Psychoanalyse. Seine glanzvolle Zeit in der Weimarer Republik wird von Rotraut De Clerc