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Ich möchte den folgenden Text mit einer angreifbaren, persönlich anmutenden Standortbestimmung eröffnen. Sie erscheint mir als unverzichtbarer Teil der Geschichte selbst - als Ausgangspunkt - aber zugleich als eine im Umgang mit der Geschichte erarbeitete Position. Ich bediene mich dabei eines Bildes, das gezielt ahistorisch gewählt ist, damit den Vorteil hat, holzschnittartig den Linien Konturen zu verleihen, auf die es mir ankommt.
Ein Kind geht über die Straße und wird von einem betrunkenen Lastwagenfahrer überfahren. Ich bin hinten, im Laderaum, noch mit anderen. Das Kind war nicht allein auf der Straße: es gab da noch eine Menge Passanten.
Mein Bild ist wohl klar: das Kind, die Opfer, der betrunkene Fahrer, die nationalsozialistischen deutschen Täter, ich selber sitze noch im Laderaum - bin noch nicht geboren.
Der Unfall - oder Mord - ist geschehen, wie läßt er sich be/verarbeiten? Mein Gefühl ist gespalten: ich erlebe zunächst Zuneigung, Mitgefühl und Trauer, die ganz auf das Opfer gerichtet sind. Mit seinem Tod soll es nicht auch psychisch ausgelöscht sein. Das kann ich nur verhindern, indem ich innerlich seinen Weg noch einmal mitgehe, es durch seine Geschichte lebendig erhalte. Dabei spüre ich mich der Versuchung ausgesetzt, mich der Geschichte des Kindes zu bemächtigen, weil es so gut tut, Mitgefühl und Zuneigung zu bekommen. Dabei ist mein Platz im Lastwagen und eigentlich bin ich gefühlsmäßig nicht dazu in der Lage, noch einmal den Weg zu gehen und das vom eigenen Fahrer/Vater verübte Verbrechen geschehen zu lassen.
Ich könnte natürlich auch Passanten dazu auffordern, mehr auf die Kinder zu achten - oder auch eine Ampel anbringen lassen u. ä. - nach dem Motto „so etwas darf nie wieder geschehen“ - und dagegen ist sicher nichts einzuwenden.
Aber was ist mit dem Lastwagenfahrer? Der kommt ins Gefängnis. Aber auch ihm gilt ja meine Zuneigung. Zugleich bin ich wütend und enttäuscht - eigentlich wohl narzißtisch gekränkt darüber - so einen Fahrer/Vater zu haben u