You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Mit einem 33seitigen Typoskript, betitelt: „Die Psychoanalyse im Film! Sensationelle Enthüllungen aus dem Nachtleben der menschlichen Seele…“ dankte Ernst Simmel, der schon zu Schulzeiten gerne Schauspieler werden wollte und bei Familienfeiern durch seine Rezitationen und künstlerischen Ambitionen auffiel, seinen Freunden „Maria und Ernst Lewy für Weihnachten 1943 in Topeka“ .
Das Typoskript, das sich im Archiv des „Psychoanalytic Institute and Society of Los Angeles“ während einer Forschungsreise zur Geschichte psychoanalytischer Psychosomatik fand1, und vermutlich in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre des Berliner Psychoanalytischen Instituts geschrieben wurde2, muß wohl wie ein Stück Berliner Heimat in einer fremden Welt gewirkt haben. Simmel überreichte auf diese Weise seinen Dank für etwas, was wir nicht genauer wissen, zu einem Zeitpunkt, den wir ebenfalls nicht genauer eingrenzen können, denn mit großer Wahrscheinlichkeit erhielten die Lewys das Geschenk erst nach Weihnachten 1943. Es ist denkbar, aber reine Spekulation, daß die Lewys dieses Typoskript für Ihren Wechsel von Topeka nach Los Angeles im Jahre 1944 geschenkt bekamen.
Die Untertitel dieses Typoskripts erinnern an ein Pennäler-Stück: „Noch und noch. Das hat die Welt noch nicht ge…wußt. Sämtliche Zensurverbote sind aufgehoben. Jugendliche haben stellenweise keinen Zutritt…“ . Unbekannt ist auch, wann es zu welchem Zweck verfaßt wurde, obwohl der karnevalistische Charakter unübersehbar scheint. Auch wissen wir wenig Genaues über Simmels Verhältnis zum Nachtleben: Ende der zwanziger Jahre soll er im Berliner Psychoanalytischen Institut auf einem Faschingsball immerhin als Nachtwächter verkleidet, gegen Ende Hand in Hand mit einer jungen Dame seine Verlobung verkündet haben.3
Das vorliegende Typoskript enthält zahlreiche Anspielungen, von denen viele für sich selbst sprechen. Der Titel „Die Psychoanalyse im Film!“ geht auf jene Diskussionen in Psychoanalytiker-Kreisen zurück, die durch den Film von