You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Seit vielen Jahren zeichnet sich innerhalb der DPG ein zunehmender Sympathie-Verlust sowohl für das Werk als auch für die Person Harald Schultz-Henckes ab. Er wird nur noch selten und äußerst ungern gelesen. Die Vorzüge seiner Schriften - eine ‚gesäuberte‘ Psychoanalyse ohne Libidotheorie, ohne Metatheorie und mit eindeutigem klinischen Anwendungsbezug - sind inzwischen billiger zu haben, z. B. durch die amerikanische Ich-Psychologie und die Selbstpsychologie, und dies in vermeintlicher Übereinstimmung mit der internationalen Psychoanalyse. Die erst nach und nach erfolgte kritische Rezeption der Geschichte der Psychoanalyse während der Zeit des Nationalsozialismus - angeregt durch G. Cocks, K. Brecht, H. Dahmer, L. Hermanns, M. Lohmann, R. Lockot, L. Rosenkötter u. a. - hat zudem Zweifel an der politischen Integrität der Person Schultz-Henckes aufkommen lassen, vor allem auch Zweifel an der politischen Integrität seiner „amalgamisierten Psychoanalyse”. Schultz-Hencke wird nicht zuletzt deshalb inzwischen von vielen ehemals überzeugten Anhängern abgelehnt, und die in der Gesellschaft (DPG) verbliebenen Schultz-Henckianer scheuen sich vor einem offenen Bekenntnis zu ihrem Lehrer.
So ist es vor ein paar Jahren nicht ‚gelungen‘, das Grab von Schultz-Hencke als Gedenkstätte zu erhalten. Es wurde eingeebnet, und es schien fast so, als wäre Schultz-Hencke damit von der Bildfläche verschwunden. 1988 erschien noch ein Sammelband über „Die Psychoanalyse Schultz-Henckes“ (Hg. von G. Rudolf und U. Rüger), der aber meines Wissens nach in der DPG schon kaum mehr diskutiert wurde, und der sich auch wie eine halbherzige Grabrede liest, in der man weder wirklich Abschied nehmen will noch leidenschaftlich den Wert des Erinnerns und Bewahrens verteidigt. Im Mai 1992 hat schließlich noch eine interne Jahrestagung der DPG stattgefunden, die sich mit Schultz-Hencke befaßte. Der Titel dieser Veranstaltung „Psychoanalyse im Wandel - was hat Bestand“ und auch die große Mehrzahl der Beiträ