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Zu dieser Tagung hatten die „International Psychoanalytical Association“ und die „British Psychoanalytical Association“ eingeladen. Ca. 50 Kollegen nahmen teil, knapp die Hälfte Psychoanalytiker und Psychotherapeuten, ferner Archivare, Historiker, Psychologen, Literaturwissenschaftler, Soziologen und hauptberufliche Biographen. Sie kamen aus England, den USA, Kanada, Frankreich, Australien, Argentinien, Brasilien, Chile, Israel, Italien, Österreich, der Schweiz und Deutschland. - Eine Besonderheit war die Zeiteinteilung: für die Diskussion stand jeweils genausoviel Zeit zur Verfügung wie für die Referate (20 bzw. 50 Minuten). - Aus Platzgründen muß eine Auswahl aus den dreizehn Referaten getroffen werden, so daß einige nur kurz erwähnt werden können, obwohl sie eine ausführlichere Wiedergabe verdient hätten.
Richard Holmes (London), Biograph von u. a. Coleridge und Shelley, leitete die Tagung mit einem Vortrag über die Probleme der Biographik ein. Er prägte Formulierungen, auf die man immer wieder zurückkam. So sprach er z. B. von der „agony of empathy“ , den Schwierigkeiten des Biographen, sich in die darzustellende Person einzufühlen und ihre Mitteilungen zu interpretieren. Er zeigte an Briefen Shelleys, wie das gleiche Ereignis in mehreren, am gleichen Tag verfaßten Briefen an verschiedene Adressaten jedes Mal neu „erfunden“ wird. Die Person sei vielleicht nicht so einheitlich wie wir annehmen würden. - Holmes wies darauf hin, daß gerade die intimsten Beziehungen oft spurenlos blieben, z. B. Ehen, in denen keine Briefe gewechselt würden. Andererseits überschätze man die Aussagekraft von „intimen“ Dokumenten. Diane W. Middlebrook, die Biographin der Lyrikerin Anne Sexton, habe beispielsweise feststellen müssen, daß Tonbandaufnahmen von (dreihundert) Analysestunden, die ihr zur Verfügung standen, keinen „tieferen“ und eindeutigeren Einblick in die Person von Anne Sexton ermöglichten als andere Quellen.
Riccardo Steiner (London), Psychoanalytiker und Mitherausgeb