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Auf einer großen Kunstausstellung in Paris wurde 1887 erstmals ein 4,30 m breites und 2,90 m hohes Ölgemälde von André Brouillet gezeigt, das später weltweite Beachtung finden sollte. Es hing beispielsweise in Freuds Wiener Behandlungszimmer und fand auch nach seiner Emigration in seiner Londoner Wohnung einen exponierten Platz.
Das Bild trägt den Titel „Eine klinische Lektion an der Salpêtrière“ und zeigt Jean-Martin Charcot, den langjährigen Chefarzt jener legendären Pariser Klinik, bei einer seiner berühmten „Leçons du mardi“ . Dargestellt ist ein hypnotisches Experiment mit einer hysterischen Patientin, das vor einem großen Auditorium von Schülern und Mitarbeitern „inszeniert“ wird.
Brouillet hat sein Gemälde einer Photographie exakt nachgebildet.2 Das Medium der Hypnose war Blanche Wittmann, die als „Königin der Hysterikerinnen“ 3 an der Salpêtrière bezeichnet wurde, da sie eine herausgehobene Rolle als Vorzeigeobjekt spielte. Auf dem Gemälde sieht man, wie sie in einen somnambulen Zustand, das Endstadium des „grand hypnotisme“ , versetzt wird. Wie in einem Ohnmachtsanfall nach hinten sinkend wird sie von Joseph Babinski, dem damaligen Oberarzt Charcots, aufgefangen.
Dieser im 19. Jahrhundert entwickelte Typ von Gemälde sollte der Huldigung an die naturwissenschaftliche Revolution und deren große Repräsentanten dienen.4 In Charcot sah und bewunderte man den Mitbegründer der modernen Neurologie und den „Napoleon der Neurosen“ 5. Besonderes Aufsehen erregten seine hypnotischen Experimente und die sich daraus ergebenden Entdeckungen auf dem Gebiet der Hysterieforschung.
Die weiteren auf dem Gemälde porträtierten Personen lassen sich alle als Mitarbeiter der Charcotschen Schule der Salpêtrière identifizieren. Die namhaftesten unter ihnen waren damals Paul Richer, Pierre Marie, Féré, Gilles de la Tourette, Joffroy, Brissaud und Bourneville.6 Nicht abgebildet sind andere prominente Charcot-Schüler wie Raymond, Déjérine, Pierre Janet und Freud.