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Der Autor Hans Peter Duerr macht es seinen Rezensenten und Kritikern nicht leicht. Sein großer wissenschaftlicher Fortsetzungsroman über den Mythos vom Zivilisationsprozeß (1988 ff.) bedient sich eines Kunstgriffs, den Duerr virtuos beherrscht und der auf seine Kritiker eher einschüchternd wirkt: Hat der Rezensent einen Band des Riesen-Opus bzw. -Epos besprochen, so muß er damit rechnen, daß er im folgenden Band vom Autor regelrecht vorgeführt wird – mit allen Mitteln der Polemik und des Witzes.
Genauso ist es auch diesmal geschehen. Meine Rezension von Intimität (vgl. Luzifer-Amor, H. 8, , S. 191-195) fand sogleich ihre Antwort im Anmerkungsteil von Obszönität und Gewalt (S. 469), wo Duerr, nachdem er die wichtigsten Punkte meiner Besprechung, wenn auch stark verkürzt, referiert hatte, anfragte, welcher der beiden Streitparteien ich meine Gunst schenke: „Interessant wäre nur, zu erfahren, welche These Hans-Martin denn nun für die richtige hält, die Eliassche oder die meinige oder vielleicht – beide?“
In dieser Rezension soll und wird Hans Peter die passende Antwort erhalten, auch wenn er nicht darauf bauen darf, daß ich mich mit einem simplen Entweder-Oder zufriedengebe.
Im Hinblick auf die beiden ersten Bände des Mythos vom Zivilisationsprozeß (Nacktheit und Scham, , Intimität, ) war und bin ich der Auffassung, daß Duerr gegenüber Elias insofern im Recht ist, als er mit starken empirischen Argumenten zeigen kann, daß die Eliassche Hypothese von einem sich verstetigenden Prozeß zunehmender Zivilisierung der europäischen Kulturen, in welchem die Individuen sozusagen von der (ursprünglichen) Nacktheit zur (zivilisatorischen) Scham fortschreiten und ihre sexuellen Begierden zu domestizieren lernen, einer näheren Überprüfung nicht standhält. Duerrs Behauptung, alle aus Gegenwart und Vergangenheit bekannten „traditionellen“ Gesellschaften hätten bestimmte, allerdings kulturell und historisch variierende, Scham- und Peinlichkeitsstandards ausgebildet, die mit denen der ne