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In seiner die Psychoanalyse um eine wesentliche Dimension bereichernden Unterscheidung des „schuldigen“ Menschen – des in seinem triebhaften Luststreben konflikthaften Wesens – und des „tragischen“ Menschen – des in seinem Streben nach Selbstverwirklichung blockierten Wesens – hat der „Narzißmusspezialist“ Heinz Kohut auch der psychoanalytischen Literaturinterpretation einen großen Dienst erwiesen.
Statt nämlich, wie traditionellerweise in der psychoanalytischen Literaturinterpretation geschehen, als Interpret sein Hauptaugenmerk auf die Triebkonflikthaftigkeit von Autor und Helden zu richten, gestattet der umweglose Blick auf das Selbst der Protagonisten ein empathisches Erkennen mittels narzißtischer Besetzung. Etwa diese Haltung, scheint mir, nimmt als Literaturdeuter der Hamburger Psychiater und Psychoanalytiker Peter Dettmering ein, wenn er die in literarischen Texten erscheinenden Figuren wie quasi-reale behandelt oder wie Personifizierungen gewissermaßen aus bewußt geträumten Selbstzustandsträumen. So werden Übertragungsformen auf literarische Texte gestaltet, die denen von Heinz Kohut als Alter ego-, Zwillings- oder Spiegelübertragungen gekennzeichneten ähnlich sind. Mag man als Leserin oder Leser den so vorgezeichneten Übertragungsbahnen auf literarische Texte folgen, kann man Dettmerings Aufsätze mit Gewinn, sogar mit dem Genuß, den neue Erkenntnis zu vermitteln vermag, lesen. Dieser Autor verführt allerdings wenig mit stilistischen „Lustprämien“ zum Lesen, instrumentalisiert die Sprache stark wissenschaftlich, was in unmittelbarer Nähe zu zitierten poetischen Texten sich gelegentlich fast zu kontrastreich ausnimmt. Dieser Interpret hält sich oft scheinbar strikt aus seinem präsentierten Essay heraus, ist aber gleichwohl durch genau konturierte, themenzentriert enggeführte Konzentration auf die selbstgestellte Aufgabe: Adoption als Fiktion und Realität, immer als Mentor der Lesenden anwesend. Die Literatur-Auswahl ist Auslese im wahrsten Sinne des Worte