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In der Psychoanalyse wird der Begriff der Gegenübertragung eingespannt in eine Polarität zwischen
Gegenübertragung als Ausdruck eines „blinden Flecks“ beim Analytiker und folglich Hemmung bei der psychoanalytischen Erkenntnis des Unbewußten
und einem neueren Verständnis, wonach
Gegenübertragungsgefühle des Analytikers als die via regia zum Unbewußten des Patienten angesehen werden.
In der ausschließlichen Betonung des zweiten Pols, der heute innerhalb und außerhalb der Psychoanalyse Popularität genießt, sehe ich die Gefahr einer völligen Auflösung des Gegenübertragungsbegriffs bis zur Bedeutungslosigkeit.
Die Vertreter des zweiten Pols (innerhalb und außerhalb der Psychoanalyse) berufen sich - zweifellos zunächst zu Recht - auf die grundlegenden Ausführungen zur Gegenübertragung als Instrument bei der Erkenntnis unbewußter Vorstellungen des Patienten, die Paula Heimann 1949 vorgetragen hat. Eine fast unübersehbare Literatur befaßt sich seitdem mit ihrer Anregung. Ich möchte deshalb keine historische Betrachtung der Entwicklung oder Gegenüberstellung inzwischen vertretener Positionen anbieten, sondern eine methodenkritische Reflexion. Sie soll jeden Leser in die Lage versetzen, selbstkritisch zu prüfen, wie es mit seinem eigenen Begriff von Gegenübertragung in bezug auf das oben skizzierte Problem einer Auflösung in Bedeutungslosigkeit bestellt ist.
Es sei festgehalten, daß sich meine methodenkritischen Betrachtungen auf die Situation der Psychoanalyse beziehen. Ihre zahlreichen inner- und außerpsychoanalytischen Anwendungen, von Balint-Gruppen über Psychotherapie, Beratung und Supervision, können hier nicht systematisch berücksichtigt werden. Dies muß einer späteren Arbeit Vorbehalten bleiben, da die Probleme von zentralen psychoanalytischen Begriffen wie Übertragung/Gegenübertragung/Widerstand etc. unter den Bedingungen eines Methodentransfers1 in weiten Bereichen ungelöst, ja unerkannt sind. Oft wird lediglich mit Erkenntnissen psychoanalytischer Theorie a