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Ein merkwürdiger Titel: Soll es um die Psychoanalytische Bewegung gehen oder um die Entwicklung der Psychotherapie? Dieser schillernde Titel und dessen Doppelbödigkeit ist in der Tat Programm dieser Veröffentlichung der emeritierten Ordinaria eines Lehrstuhls für Psychotherapie und Psychosomatische Medizin; ehem. Leiterin des Instituts für Psychogene Erkrankungen der AOK Berlin, ehem. Vorsitzende der DPG, deren Ehrenmitglied und - last but not least - langjährige Lehranalytikerin - kurz: eine bedeutende Repräsentantin eines großen Teils der Psychoanalytiker und Psychotherapeuten in Deutschland. A. Dührssen (D.) ist sozusagen die ‚Grand-Dame‘ der deutschen Psychotherapie; sie hat sich große Verdienste um die Etablierung der Psychotherapie im Rahmen der kassenärztlichen Versorgung erworben und besaß zumindest bislang großen Einfluß auf die gesundheitspolitische Diskussion in diesem Bereich. Insofern könnte uns die Lektüre dieses Buches auch ein Bild von den Bewußtseins- und Motivationslagen eines großen Teils deutscher Psychoanalytiker und Psychotherapeuten vermitteln.
Schon im 1. Kap. ist zu bemerken, daß D. nicht viel Federlesens macht. Freud habe keineswegs Neues Wissen geschaffen: Das Unbewußte stamme von Leibniz (15)1, die Bedeutung der Assoziationen von Wundt (ib.) und die unbewußte Konfliktdynamik von Nietzsche (ib.). Zudem habe Freud seine „bahnbrechenden Beobachtungen nicht ohne Irrtümer (verarbeitet)“ (16), insbesondere hinsichtlich seiner Bewertung der frühkindlichen Sexualität. Bevor also das Buch über die ersten Seiten hinauskommt, steht das Urteil bereits fest: Das Wissenschaftliche in Freuds Psychoanalyse ist nicht von Freud und was von ihm stamme ist nicht wissenschaftlich. Aber D. macht gleich ganze Arbeit: Das „Dogma“ (ib.) von der frühkindlichen Sexualität, das dann zu einem „Schibboleth“ geworden sei - und hier klärt uns D. gleich über jenen „Bruderkampf der Jude