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Zu den bevorzugten Bildfeldern, aus denen Philosophen schöpfen, um ihr eigenes Tun zu definieren, gehört seit jeher die Welt des Ackerbaus. Walter Benjamin liefert in seinem Passagen-Werk ein in seiner Ambivalenz schönes Beispiel. Die Aufgabe des Philosophen bestehe darin, „Gebiete urbar zu machen, auf denen bisher nur der Wahnsinn wucherte. Vordringen mit der geschliffenen Axt der Vernunft und ohne rechts noch links zu sehen, um nicht dem Grauen anheimzufallen, das aus der Tiefe des Urwalds lockt. Aller Boden mußte einmal von der Vernunft urbar gemacht, vom Gestrüpp des Wahns und des Mythos gereinigt werden“. Diese Zeilen verbergen hinter ihrer Gewaltsamkeit eine tiefe Melancholie. Den Wahn, den Mythos, das Fremde, Andere, Ambivalente, kurz: das Unbestimmte ins Bestimmte zu verwandeln, es unter Kategorien zu subsumieren, war der Traum der Moderne. Doch dieselbe Moderne - und darin liegt eine der wesentlichen Einsichten Benjamins - produziert in genau dem Maße neuen Wahn und neuen Mythos, indem sie die Welt zu kategorisieren und begrifflich zu beherrschen trachtet. Die authentische Moderne von Schelling über Nietzsche bis zu Benjamin und Derrida zeichnet sich durch die paradoxe Einsicht aus, daß ihr eigener Versuch, die Welt unter Kategorien zu bringen und somit Eindeutigkeit zu erzeugen, notwendig neue Unbestimmtheiten stiftet. Jede Urbarmachung des philosophischen Feldes wirbelt in unkontrollierbarer Weise Samen auf, die das Ausmaß des Wildwuchses noch erhöhen.
Moderne Philosophie wirkt aus diesem Grunde immer zugleich tragisch und komisch. Versucht sie ihr eigenes Dilemma mittels einer Kommunikations- oder Aufklärungsutopie einfach zu überwinden, droht sie sich in ein Herbizid zu verwandeln, das alles Leben auf dem philosophischen Feld, sowohl die Früchte als auch die Unkräuter, bedroht. Gerade die Unkräuter, die unbebauten Feldränder, ungestalteten Brachflächen und Wildnisse werden von der zeitgenössischen Philosophie und Wissenschaft immer mehr als Voraussetzung