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Die auch in der Psychoanalyse immer wieder aufflammenden Auseinandersetzungen um die nationalsozialistische Vergangenheit werden mit ungewöhnlicher emotionaler Schärfe geführt. Daran zeigt sich, wie bedeutsam sie für die Gegenwart geblieben ist. Der vorliegende Band will Material zur Verfügung stellen, das den Zusammenhang aufzeigt, der zwischen den individuellen Lebensschicksalen von Analytikern, die in diesem Jahrhundert allzuhäufig von Verfolgung und Emigration gezeichnet waren, und der theoretischen und institutionellen Entwicklung der Psychoanalyse besteht. Die Aufsätze, die in diesem Band abgedruckt werden, sind aus Vorträgen entstanden, die im Rahmen der V. Internationalen Tagung der „Association Internationale d'Histoire de la Psychanalyse“ (A.I.H.P.) in Berlin gehalten wurden.* Sie fügen dem Kongreßthema der Spaltungen in der Geschichte der Psychoanalyse ein biographisches Hintergrundswissen hinzu, machen darin zugeich aber auch sichtbar, daß die Spaltungen in der psychoanalytischen Bewegung eingebettet zu sehen sind in die allgemeine Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Seit einigen Jahren weiß man um rassistische Äußerungen von Georg Groddeck. Herbert Will, der sie untersucht, geht dabei der beunruhigenden Frage nach, welches Licht dies auf Groddecks Einstellung zum Nazismus und zu Hitler wirft. Obgleich er zu dem Ergebnis kommt, daß man bei ihm ein großes Maß an Realitätsverleugnung und einen verheerenden Mangel an politischer Urteilskraft feststellen muß, bleibt für ihn klar, daß das Werk Groddecks einem theoriekritisch-befreienden Denkansatz entspringt, der von seinen politischen Entgleisungen letztlich unberührt bleibt. Diese Debatte wird weitergeführt werden müssen, ähnlich wie diejenige um Heideggers Verstrickung in den Nationalsozialismus, die sich ebenfalls um die Frage nach dem Verhältnis von theoretischem Werk und politischem Standpunkt dreht.
An drei Beispielen wird der Einfluß der europäischen Emigration auf die Entwicklung von Psychiatrie und Psych