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Das Leben und Werk von Nikolaj Jegrafowitsch Ossipow ist wenig bekannt, obwohl sein Einfluß auf die Geschichte der psychoanalytischen Bewegung in Rußland und später in der damaligen Tschechoslowakei immens groß war. Durch seinen Schüler Theodor Dosužkov bewirkte er, daß die psychoanalytische Bewegung in Prag alle politischen Verfolgungen überlebte und heute stolz als ‚Study Group‘ von der IPA anerkannt ist.
Warum ist ein so bedeutender Psychoanalytiker ‚der ersten Generation‘ in Vergessenheit geraten? Die Gründe dafür sind unterschiedlich.
Die politischen Umstände, die totalitären Regimes in der damaligen Sowjetunion und Tschechoslowakei, die die Psychoanalyse als unwissenschaftliche, westlichem Imperialismus dienende Methode abqualifiziert hatten, machten es unmöglich, öffentlich psychoanalytisch zu publizieren und auszubilden. In Rußland florierte die Psychoanalyse nach der Machtübername durch die Bolschewiken zuerst und bekam große Bedeutung. Nach dem Tod Lenins und unter dem Regime Stalins wurde die Psychoanalyse ab 1925 aber kritisiert, bis sie in den dreißiger Jahren unerwünscht und öffentlich nicht mehr zugelassen wurde.
Ich vermute, daß N. J. Ossipow ungewollt selbst zu seiner Vergessenheit in Rußland beigetragen hatte. Er haßte den Bolschewismus und nahm deswegen alle seine Werke und Unterlagen mit ins Exil. Nichts sollte den gehaßten Roten in die Hände fallen. Daher fehlt er in russischen Archiven weitgehend.
Warum Ossipow in der damaligen Tschechoslowakei nicht angemessen beachtet wurde, hat mehrere Gründe. Ich beobachte eine sehr ambivalente Einstellung der Kollegen in der Tschechischen Republik zu der Geschichte der psychoanalytischen Bewegung dort. Die jetzige Generation der Psychoanalytiker in Prag mußte viel um ihre Identität kämpfen und deswegen ist es für sie schwer anzunehmen, daß die psychoanalytischen Vaterfiguren nicht tschechischen Ursprungs waren. Es herrscht dort ziemlich die Tendenz zu Nationalismus und Antisemitismus. Die psychoanalytische Be