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Widerstrebend und schweren Herzens habe ich eingewilligt, auf dieser Gedenksitzung für unseren verstorbenen Freund, Mitarbeiter und Lehrer Otto Fenichel zu sprechen. Er starb so plötzlich - die seither verstrichene Zeit ist so kurz, die Lücke, die sein Tod in unserer Wissenschaft gerissen hat, so groß und ein Ersatz so unvorstellbar, daß ich keine Worte finde, die für uns oder die von ihm hinterlassene Sache einen Trost bedeuten könnten. Nur unser psychoanalytisches Wissen, daß wir in der Trauer um einen dahingeschiedenen Freund einen psychischen Prozeß der Identifizierung erleben, hat mich zu meiner Rede heute abend ermutigt.
Mir scheint, daß gerade wir, die wir Psychoanalyse lernen, Psychoanalyse praktizieren und lehren, diesen Identifizierungsprozeß nicht nur emotional durchlaufen, sondern daß wir uns dabei intellektuell und bewußt vor Augen halten sollten, mit wem wir uns identifizieren und warum. Als Psychoanalytiker haben wir die Pflicht zur unbeugsamen intellektuellen Ehrlichkeit mit uns selbst, auch gegenüber dem Tod - unserem eigenen oder dem Tod eines Freundes.
Wenn wir uns allein von unseren Gefühlen davontragen lassen, sind wir in Gefahr, der natürlichen unbewußten Ambivalenz zu erliegen: wir übertreiben dann leicht das Lob für den Freund, von dem wir Abschied nehmen müssen - und vergessen, verdrängen zugleich seine wissenschaftlichen Leistungen, weil sie uns an die schwere Verpflichtung gemahnen, weiterzumachen und dort anzuknüpfen, wo er aufgehört hat. In einem Versuch, die Begrenztheit unseres eigenen Lebens zu verleugnen, sprechen wir dem Verstorbenen nur allzu bereitwillig Unsterblichkeit zu, um durch Identifizierung an ihr teilzuhaben. Für uns als Psychoanalytiker genügt es nicht, die Bedeutung eines führenden Lehrers unserer Wissenschaft lediglich im Herzen zu bewahren - unser Verstand muß sich bewußt bleiben, wer Otto Fenichel war und wofür er stand.
Als Freud starb, so mein Eindruck, errichteten einige seiner früheren Anhänger in dunkler Gefühlswah