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1987 veröffentlichte Hartmut Müller einen Aufsatz in der Psychiatrischen Praxis mit dem Titel: Ist Chestnut Lodge Salz in der wunden Stelle des psychoanalytischen Beitrags zur Behandlung der Schizophrenie? Er warf Chestnut Lodge vor, zu sehr der vollstationären Behandlung mit „Versorgung und Ausgrenzung“ sowie der psychoanalytischen Einzeltherapie verpflichtet zu sein. Dadurch bekämen moderne sozialpsychiatrische Ansätze, „eine an Eingrenzung und Verstehen gebundene soziale Psychiatrie“ (Müller 1987, S. 22) zu wenig Gewicht.
In dem bisher nur in englischer Sprache vorliegenden Sammelband aus Chestnut Lodge, Psychoanalysis and Psychosis, den Ann-Louise S. Silver 1989 herausgab, wird die Einführung der Pharmakotherapie kontrovers diskutiert. In meiner Besprechung (Psychiatrische Praxis 1993, S. 121) hatte ich in diesem Werk Hinweise zu Gruppenpsychotherapie und Sozialpsychiatrie vermißt.
Otto F. Kernberg stellte von seiten der Psychiatrie in den USA in seinem in der PSYCHE 6/1994 (S. 483 - 508) veröffentlichten Aufsatz unter anderem fest, „daß immer weniger Mediziner mit abgeschlossenem Studium unseren Beruf ergreifen: Dies hängt zusammen mit dem abnehmenden Interesse an der psychoanalytischen Ausbildung und deren schwindendem Prestige in psychiatrischen Abteilungen sowie mit der Zunahme von biologischen Verfahrensweisen im Gegensatz zu den psychodynamischen“ (S. 483). Zunehmend interessierten sich andere Berufsgruppen für die Psychoanalyse, was für Kernberg eher Anlaß zur Sorge ist, wegen der „Einschränkung der wohlwollenden oder gar beschützenden Rolle, die die Psychiatrie in der Vergangenheit gegenüber der Psychoanalyse eingenommen hat“ (S. 484).
Im Rahmen meiner Forschungen zur Biographie Frieda Fromm-Reichmanns verbrachte ich vom 9.5. bis 11.5.1994 auf Einladung von Ann-Louise S. Silver einige Tage in Chestnut Lodge. Der Großvater des jetzigen Besitzers und Direktors, Dexter Bullard jr., hatte ein Hotel am