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Wahrscheinlich ergeht es den Lesern wie dem Rezensenten: Fechner ist allen ein Begriff, und das vermutlich im Zusammenhang von zwei Wissensgebieten, die, im Archiv fächerspezifischen Wissens sorgfältig getrennt, nichts miteinander zu tun zu haben scheinen. Gleich zu Beginn des Psychologiestudiums wird man mit dem Weber-Fechnerschen Gesetz oder, wie es auch genannt wird, dem psychophysischen Grundgesetz behelligt. Es informiert über das gesetzmäßige Verhältnis von Reiz und Empfindung. Dem Gesetz zufolge ist die Empfindung proportional dem Logarithmus des Reizzuwachses (das Anwachsen der Reizstärke in geometrischer Reihe bewirkt den Anstieg der Empfindung in arithmetischer Reihe). Später erfährt man, daß Fechner in der Vorgeschichte der Psychoanalyse (Breuer, Hering u. a.) eine bedeutsame Rolle gespielt habe. Insbesondere die psychoanalytische Auffassung von Lust und Unlust, wie sie Freud in ‚Jenseits des Lustprinzips‘ entwickelt, ordnet sich „als spezieller Fall dem Fechnerschen Prinzip der Tendenz zu Stabilität“ unter. Fechners Konzept von Lust und Unlust falle im wesentlichen mit dem zusammen, was sich der psychoanalytischen Arbeit aufdränge. „Ich war immer für die Ideen G. Th. Fechners zugänglich und habe mich auch in wichtigen Punkten an diesen Denker angelehnt“ (Freud , 86).
Angesichts dieser gleichgültigen Ablage zweier Wissensfragmente (die nicht mal mehr die Frage nach dem inneren Zusammenhang provoziert), ist das Buch von Michael Heidelberger sehr hilfreich. Es erläutert in Form einer Gesamtdarstellung wie die naturwissenschaftlich-experimentell verfahrende Psychologie, das ist die Psychophysik, mit der naturphilosophischen Spekulation über Lust und Unlust, Selbstorganisation und Indeterminismus in der Weltauffassung Fechners zusammengeht. Sie leistet die Arbeit durch eine Reihe von exemplarischen Studien, die zusammen ein Stück Wissenschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts darstellen; sie zeigt, wie die Ausdifferenzierung von Philosophie und Wissenschaft im