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Hinter dem „und“ von Jens Hagestedts „Freud und Heidegger“ verbirgt sich keine historisch-vergleichende Studie, die sich wie so viele andere „X und Y“-Bücher in der Diagnose von gemeinsamen Denkmustern und wechselseitigen Einflußnahmen erschöpfen würde. „Und“ bedeutet für den Autor vielmehr „gegen“: Psychoanalyse und Existentialanalyse werden gegeneinander ausgespielt. Mit diesem „gegen“ hebt sich Hagestedt vom Versuch der von Ludwig Binswanger begründeten „Daseinsanalyse“ ab, Heideggers Philosophie mit der Psychoanalyse in einer neuen Therapieform zu synthetisieren, welche dem Ideal eines „ganzen Menschen“ verhaftet bleibt (vgl. zuletzt: Gion Condrau: Sigmund Freud und Martin Heidegger. Daseinsanalytische Neurosenlehre und Psychotherapie. Freiburg, Schweiz 1992). Gegenüber der Möglichkeit einer solchen Synthese wie gegenüber ihrem impliziten Ziel, der (therapeutischen und theoretischen) „Rettung“ eines souveränen Subjekts, bleibt Hagestedt skeptisch. Offensichtliche Parallelen im Denken Freuds und Heideggers dienen ihm allenfalls als Grenzmarkierungen einer imaginären Arena, in welcher der Autor seine beiden Protagonisten gegeneinander zum Kampf antreten läßt.
Eine „Verwandtschaft der Intentionen Freuds und Heideggers“ findet der Autor im hohen Stellenwert des Geschichtskonzeptes in beider Werk: „Was das [= Heideggers] Durchdenken der Geschichte der Metaphysik im kollektiven Rahmen ermöglichen soll, das betreibt die Psychoanalyse im individuellen - die Bewältigung von Problemen durch die Aufhebung von Amnesien, durch die Erinnerung von Ereignissen, die einstmals nicht adäquat konnten erfahren werden.“ Heideggers „Destruktion der Metaphysik“ entspreche strukturell der psychoanalytischen Therapie von Neurosen; Metaphysik lasse sich bis zu einem gewissen Grad als „Menschheitsneurose“ (Freud) interpretieren, als kollektive Verdrängung eines unverstandenen Ermöglichungssgrundes alles Seienden; die Neurose resultiere demgegenüber aus der Verdrängung eines individuellen Tr