You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Sich den „menschlichen Verhältnissen“ (Freud 1925, S. 34) im Sinne der unbekannten psychischen Realität (Bion 1962, Loch 1995) forschend zuzuwenden, ist grundlegendes Anliegen der Psychoanalyse, wie sie von S. Freud begründet wurde und im Werk M. Kleins eine wesentliche Fortführung fand. Dies impliziert eine Haltung, die sich - auch gegen eigene, immer wieder zu untersuchende Widerstände - der jeweiligen „Wahrheit“ (Loch 1976) als Bedingung menschlichen Wachstums verpflichtet fühlt. Dem nicht direkt am psychoanalytischen Prozeß Beteiligten kann der mit dem Patienten erfahrene Übertragungs-Gegenübertragungs-Prozeß mit Hilfe von Fallgeschichten mitgeteilt werden und damit Eingang in die wissenschaftliche Auseinandersetzung finden. Dabei geht es um die Darlegung der in der Übertragungssituation erfahrenen und erschlossenen pathogenen Objektbeziehungsfacetten sowie der ihnen entsprechenden unbewußten Phantasien. Aufgezeigt wird, wie in der Aktualgenese, der „Wiederholung“ mit dem Analytiker, der Beitrag des Patienten von diesem allmählich erlebt werden kann, damit deutbar und durcharbeitbar wird. Dies bedeutet, daß der Patient die Chance erhält, den Wiederholungszwang allmählich zu überwinden und Veränderungserfahrungen Raum zu geben.
Auf die vielfältigen Angriffe ob der „Unwissenschaftlichkeit“ der Fallgeschichten möchten wir an dieser Stelle nicht eingehen.1 Unseres Ermessens wurde bisher noch keine Alternative entwickelt, welche es gestattet, der Eigenart und Komplexität unseres Gegenstandes in vergleichbarer Weise gerecht zu werden. Eingehende Einzelfallstudien bilden deshalb nach wie vor die Basis unserer Wissenschaft.
Während Freuds Fallgeschichten durch ihre archäologische Rekonstruktionsleistung und literarische Qualität beeindrucken, ist der Zugang zu den frühen Kinderanalysen Melanie Kleins über ihre Schriften eher beschwerlich. Die oftmals erheblichen, schwierig handhabbaren Pathologien dieser Kinder, denen sich Melanie Klein gegenübergestellt sah, oh