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Schon vor der Wende, besonders aber danach haben Mitglieder der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) Kontakte zu Psychotherapeuten in Ostdeutschland aufgenommen. Im folgenden soll darüber nachgedacht und auch die Frage gestellt werden, ob die daraus resultierenden vielfältigen Aktivitäten die Institutionalisierung der Psychoanalyse in den Neuen Bundesländern beeinflußt haben.
Die DPV hat - wie jede Institution - ihren Gründungsmythos, der für den fachlichen Umgang und das kollegiale Verständnis wichtig ist. In der Psychoanalyse haben wir noch den speziellen Fall, daß Sigmund Freud selbst mit Totem und Tabu 2 einen Gründungsmythos entwarf, mit dem er den Ursprung von Institutionen zu erklären suchte. Freud schrieb diesen Essay zu einer Zeit, als die Spannungen mit C. G. Jung ihrem Höhepunkt zustrebten. Damals war die psychoanalytische Bewegung in Gefahr. Dies mag ein wesentliches Motiv gewesen sein, das Freud dazu veranlaßte, grundsätzliche Reflexionen über den Ursprung und die Gefährdung menschlicher Gemeinschaften schlechthin niederzuschreiben. In seiner Wirkung auf die folgenden Generationen kann dieser Aufsatz auch als ein universelles Deutungsmuster verstanden werden. Die Geschichte der Psychoanalyse ist von vielen Spaltungen und manch einer Wiederkehr des Totemismus gekennzeichnet und scheint Freuds Thesen im großen und ganzen zu bestätigen.3
Die Gemeinschaft der Psychoanalytiker war nicht immer erfolgreich, das Erbe Sigmund Freuds in seinem Sinne zu schützen und weiterzuentwickeln. Die deutsche Nazi-Herrschaft und der Holocaust legen dafür Zeugnis ab:4 So setzte 1933 am Berliner „Göring-Institut“ ein Prozeß der „Selbstgleichschaltung“ ein, der darin gipfelte, den jüdischen Mitgliedern den Austritt zu empfehlen. 1936 verließ die damalige Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft (DPG) die Internationale Psychoanalytische Vereinigung (IPV). Freuds 80. Geburtstag wurde von zwei Berliner Gruppen, einer „arischen“ und einer Gruppe jüdis