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Obwohl Juden schon zur Zeit des römischen Weltreiches im heutigen Ungarn lebten, gab es nach Beendigung der Türkenkriege - also um 1700 - im nunmehr zum Teil des Habsburgerreiches gewordenen Land keine jüdische Bevölkerung mehr. Sie wurden als vermeintliche Verbündete der Türken zum Teil vertrieben, zum Teil flüchteten sie von selbst. Doch von nun an - schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und erst recht im 19. Jahrhundert - wanderten immer mehr Juden von Böhmen, von Mähren und von Galizien nach Ungarn ein.
Im Gegensatz zu etwa Polen, Rumänien oder gar Rußland kam es relativ schnell zu einem Assimilationsprozeß: die zweite, dritte Generation der Ankömmlinge sprach nicht mehr jiddisch, sondern eignete sich die ungarische Sprache an, bemühte sich, sich so zu kleiden wie die bäuerliche und bürgerliche Umgebung in den ungarischen Dörfern und Städten, und manche von ihnen konvertierten gar zur christlichen Glaubensgemeinschaft. Viele ungarische Juden waren geneigt, ihre jüdischen Traditionen gänzlich loszuwerden und als aufrichtige, hundertprozentige ungarische Patrioten aufzutreten.
Die ungarische Umgebung und besonders die ländliche adlig-bürgerliche Mittelschicht (das Gentry) nahm den Zuwachs des jüdischen Bevölkerungsanteils (bis zu etwa 10% der Gesamtbevölkerung um 1910) mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis. Der ungarische Nationalismus verstärkte sich - im Kampf gegen die Habsburger, aber auch gegen die Nationalitäten im große Teile des heutigen Rumäniens, der Slowakei und Jugoslawiens umfassenden Großungarn - immer mehr. Er strebte die friedliche Assimilation immer größerer Gruppen der nicht-ungarisch sprechenden Bevölkerung an, und die Juden taten dies (in Gegensatz zu den Slowaken, den Serben und den Rumänen, aber einigermaßen ähnlich wie die ebenfalls assimilationswilligen Ungarndeutschen) ohne jeden Zwang, freiwillig und begeistert. Man freute sich also über den Zuwachs der ungarisch sprechenden Bevölkerung.
Jüdische Kaufleute, Mediziner, Unternehmer,