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Die Psychoanalyse hat stärkere jüdische Wurzeln, als ihrem Gründer lieb war. Sie ist in ihrem Kern jüdisch-religiöser, als auf den ersten Blick zu vermuten ist. In den folgenden zehn Punkten, lediglich eine Auswahl, versuche ich einige dieser immanent-jüdischen Bezüge plausibel zu machen.
Das Judentum hat eine recht realistische Auffassung des Menschen und der Welt. Das Judentum geht nämlich davon aus, dass ein Mensch nicht etwa nur gut oder nur schlecht sei, sondern mal so und mal anders. Im Judentum gibt es weder Idealisierungen des Menschen noch von Gott und auch wenig Illusionen über den Lauf der Welt.
Wie lautet das konkret in der Mischna? Im Judentum sagt man bei jeder Gelegenheit Gebete. Bei diesen Gebeten bedankt man sich bei Gott für das Gute oder beklagt das Schlechte. Was sagt nun beispielsweise die Mischna zum Thema „Tod des Vaters“? Ein Vater ist gestorben. Sein Sohn, so nimmt man in diesem Beispiel aus der Mischna an, ist traurig. Im jüdischen Ritus muss der Sohn das Totengebet sprechen. Nun hat aber der Verstorbene seinem Sohn viel Geld hinterlassen; das freut den Sohn und diese Freude muss auch Platz bekommen. Also spricht der Sohn neben dem Trauergebet um den Verlust des Vaters auch ein Dankgebet dafür, dass er so viel geerbt hat. Beides also hat gleichzeitig in der Mischna Platz. Die Bezüge zur Psychoanalyse liegen auf der Hand.
Im Judentum ist es dem Menschen nicht vorgeschrieben, welches Gefühl er in einer bestimmten Situation erfahren müsse. Das Judentum ist folglich in dieser Hinsicht auch nicht „normativ“. Zwar gibt es ein normiertes Verhalten, aber man weiss, so ist auch der Talmud aufgebaut, dass es auch andere Meinungen gibt, die sich hätten durchsetzen können, die aber nicht zur Norm erklärt wurden. Es ist auch nicht vorgegeben, welches Denken als „moralisch“ zu gelten hat. Man vertraut dem Einzelnen, dass er wisse, wie es gefühlsmässig und k