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Am 30. Mai 1977 schrieb der jetzt verstorbene, damalige Ehrenpräsident der Brasilianischen Psychoanalytischen Gesellschaft von Rio de Janeiro, Dr. Mario Pacheco de Almeida Prado an den damaligen Präsidenten der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung einen Brief, in dem er sich im Namen seiner Gesellschaft gegen die Errichtung eines Sigmund-Freud-Lehrstuhls an der Hebräischen Universität von Jerusalem aussprach. Er befürchtete, daß „the installation of the Chair at the Hebrew University will induce people to see psychoanalysis as a Hebraic activity“ (seine Hervorhebung). Da ich es war, der die Idee aufbrachte, daß die International Psychoanalytical Association einen Lehrstuhl im Namen Sigmund Freuds an der Hebräischen Universität in Jerusalem anläßlich des ersten internationalen Treffens in Jerusalem im Jahre 1977 einrichten solle, so bat mich der damalige Präsident, Serge Lebovici, dem Kollegen zu antworten.
Es schien und scheint mir, daß in der Tat die Psychoanalyse als Wissenschaft frei von „racial, tribal, religious and political preconceptions“ sein soll, wie Dr. Pacheco sagte, und daß wir es nur begrüßen würden, falls z. B. die bekannte katholische Universität Notre-Dame in den U. S. A. sich entscheiden würde, auch einen psychoanalytischen Lehrstuhl zu errichten. Dadurch würde die Psychoanalyse keine katholische Wissenschaft werden. Dies schrieb ich ihm unter anderem.
Nun, in der Zwischenzeit ist der Freud-Lehrstuhl an der Hebräischen Universität am 24. August 1977 festlich installiert und unter seinem ersten Sigmund-Freud-Professor, Joseph Sandler, zu einem Freud-Zentrum erweitert worden.
Gibt es denn so etwas überhaupt, wie eine nationale Wissenschaft? Ist es nicht gerade so, daß für Wissenschaft keine Grenzen existieren? Sie fragt endlos: wo, wann, wieso, wozu usw. Man spricht ja nicht von ägyptischer Geographie, griechischer Mathematik, polnischer Astronomie oder holländischer Mikroskopie, obwohl Bürger dieser Länder sich besonders in den erwähnten Dis