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Um Karl Abraham aus der ersten Schülergruppe von Sigmund Freud ist es nach seinem frühen Tod bald still geworden; während über C. G. Jung, Sandor Ferenczi, Ernest Jones und Otto Rank eine bis auf den heutigen Tag nicht enden wollende Sekundärliteratur entsteht, hat es nach dem Abraham-Gedenkheft der Internationalen Zeitschrift für Psychoanalyse von 1926 weltweit kein Zeitschriftenthemenheft geschweige denn eine Monographie zu seinem Leben und Werk gegeben, was uns allein als Befund schon erklärungsbedürftig erscheint. Einzig die Veröffentlichungen des bisher unvollständigen Briefwechsels mit Sigmund Freud, sowie der unabgeschlossenen Biographie aus der Feder seiner Tochter Hilda und seiner gesammelten Schriften haben das Interesse an seinem Werk stimulieren können. Eine Arbeitsgruppe am Berliner Psychoanalytischen Institut, das seit 1970 den Namen Karl Abrahams trägt, versucht seit einigen Jahren die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Namensgeber zu befördern. Zwei der in diesem Heft enthaltenen Aufsätze gehen auf Vorträge im Rahmen dieser Arbeitsgruppe zurück.
Trotz seines inzwischen verblaßten Ruhmes zählt Karl Abraham zu den bedeutendsten Gestalten der Psychoanalyse. Er hat nicht nur großen Anteil an ihrem organisatorischen Aufbau und ihrer institutionellen Entwicklung, er hat auch mit der klinischen und theoretischen Arbeit, die er geleistet hat, die psychoanalytische Bewegung entscheidend befördert.
Dieses Heft verbindet biographische Beiträge über seine Familiengeschichte, über Kindheit und Jugend, mit Beiträgen, die seine psychoanalytische Arbeit und ihre Anwendung auf geistesgeschichtliches Gebiet würdigen. Beides hängt miteinander zusammen. Karl Abraham, der orthodoxe und innovative Züge höchst fruchtbar miteinander zu verbinden wußte, war nicht nur darauf bedacht, der Psychoanalyse sichere Grundlagen zu bewahren und Abweichungen zu bekämpfen, durch die er sie bedroht sah, von ihm gingen auch wichtige Impulse zu Weiterentwicklungen aus, die den psychoan