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„Wer sich über die Menschen erbarmt, von dem ist gewiß, daß er zu dem Samen unseres Vaters Abraham gehört, und wer sich nicht über die Menschen erbarmt, von dem ist gewiß, daß er nicht zu dem Samen unseres Vaters Abraham gehört.“ (Talmud, Betsa, 32b)
„Aus Abraham ist Ismael hervorgegangen und alle Söhne der Ketura; aus Isaak ist Esau hervorgegangen und alle Häuptlinge Edoms. Was aber Jakob betrifft, so war seine Nachkommenschaft makellos: Alle seine Söhne waren Gerechte.“ (Leviticus Rabba, 36, 133C)
„Die Wunden, die wir nicht nennen, sind gerade diejenigen, an denen wir verbluten.“
(Lesefrüchte, Moritz Lewinger, Bremen 1881.)
Karl Abraham hat weder autobiographische Aufzeichnungen noch Jugend-oder Brautbriefe hinterlassen. In seinen Schriften war er überaus zurückhaltend, was die Preisgabe von Details seines Lebens oder psychoanalytischer Selbsterkenntnis anbetrifft. Ähnliches gilt für die Briefe an Freud, in denen er, merkwürdig genug, über den Tod seines Vaters schweigt. Die bisher einzige, leider unvollendete Biographie über ihn verdanken wir seiner Tochter, der Psychoanalytikerin Hilda Abraham, die das Werk in den 60er und frühen 70er Jahren im Londoner Exil verfaßte. Das erste Kapitel trägt den Titel „Familie, Kindheit und Jugend“; aber auch an anderen Stellen kommt die Autorin auf die Jugend des Psychoanalytikers zu sprechen. Ihre für mein Thema so zentrale Arbeit soll zunächst kurz kommentiert werden.
1. Hilda Abraham war neunzehn, als ihr Vater starb, ein Alter, in dem man sich kaum für Kindheit und Jugend der Eltern interessiert. Als sie mit der Biographie begann, lebten auch Abrahams Eltern und sein einziger Bruder nicht mehr. Wie sie anmerkt, machten ihr „viele Kenntnis- und Gedächtnisunsicherheiten“ zu schaffen; d