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Das hier erstmals gedruckte Gutachten - ein 11seitiges Typoskript, handschriftlich mit „Copie“ über- und eigenhändig von Karl Abraham unterschrieben - ist Bestandteil eines kleinen Abraham-Nachlasses im Archiv des Berliner Abraham-Institutes, der uns von Hilda Abraham vor ihrem Tode freundlicherweise vermacht wurde und der hauptsächlich aus Büchern und Sonderdrucken besteht.
Wenn dieses Schriftstück auch wissenschaftlich ohne Belang ist, so verdient es doch aus mehreren Gründen unsere Aufmerksamkeit, und es rechtfertigt sich von daher seine späte Veröffentlichung (die Abraham natürlich nie vorgesehen hatte) als Quellentext.
1. Zum Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens arbeitete Abraham sei 2½ Jahren wieder in Berlin, war als „Spezialarzt für nervöse und psychische Krankheiten“ niedergelassen und hatte schon fast zwei Jahre lang seine regelmäßig tagende „Berliner Psychoanalytische Vereinigung“ um sich geschart, die sich gerade als erste Zweigvereinigung der frisch gegründeten „Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung“ konstituiert hatte. Vor diesem Hintergrund sehen wir den Psychoanalytiker Abraham, der bei Freud persönlich und per Briefberatung in die Schule gegangen ist und dessen Praxis mit Psychoanalyse-Patienten gut gefüllt ist, als nervenärztlichen Praktiker alter Schule, der sich seinem Auftraggeber gegenüber nicht scheut, seine Expertise mit einem klaren (gewünschten?) Votum abzuschließen, das für die weitere Lebensführung der Betroffenen von weitreichenden Konsequenzen gewesen sein dürfte.
Es bleibt unklar, wer der eigentliche Auftraggeber dieses Gesundheitszeugnisses gewesen ist, vermutlich der Vater, bzw. die Familie der Braut. Immerhin stellt sich der „Proband“ dem „Examen“ und wird dann unter Beiziehung vielfältiger Dokumente der Unlauterkeit und Lüge bezichtigt. Wie freiwillig sich der heiratswillige Doktor dieser Untersuchung unterzogen haben mag, sei dahingestellt. Es spricht vieles dafür, daß von der Familie der Braut eine positive Ehefähigkeits