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Es ist eine immense intellektuelle Aufgabe, sich mit den Schriften von W. R. Bion zu befassen, seien es die über Gruppendynamik oder die über Psychoanalyse. Der Leser wird auf der Stelle tief beeindruckt vom Niveau seines Denkens: die eindrucksvolle Originalität, die Komplexität der Gedankengänge und die Dichte der Zusammenhänge, die gelassene Annahme, daß seine eigenen Reaktionen auf die von ihm beschriebene Situation zugleich bemerkenswert wie alltäglich sind.
Experiences in Groups (1961) ist vermutlich der kürzeste und einflußreichste Text in der psychoanalytischen Gruppenpsychotherapie. Ob man Bion zustimmt oder nicht, übergehen läßt er sich nicht, denn er tritt einem entgegen aus der Dunkelheit der tiefsten Regionen menschlicher Erfahrung, erhellt sie mit seinen ‚Strahlen aus Dunkelheit‘ (‚beams of darkness‘).
Bion schrieb nicht umfassend über Gruppenpsychotherapie an sich, und ganz im Unterschied zu seinem Zeitgenossen S. H. Foulkes gibt er in seinen Arbeiten dem Studierenden recht wenig direkte Anleitung. Doch Bions Ideen wurden von einer ganzen Generation von Psychoanalytikern und Sozialwissenschaftlern an der Tavistock Klinik und dem Tavistock Institut für Menschliche Beziehungen in Großbritannien und jenseits des Atlantiks am späteren A. K. Rice Institut unverzüglich und entschlossen aufgenommen und angewendet. Seine Ideen haben gleichermaßen treue Anhänger wie Zweifler angelockt: nur unreflektierte Imitation seines Stils und seiner Gedankengänge kann einem die Mühe ersparen, sich seinen eigenen Standpunkt zu erarbeiten.
Meine eigenen Standpunkte bildeten sich in den frühen 1950ern, als ich Schüler und später Kollege von S. H. Foulkes war und mich daher wie ‚selbstverständlich‘ in gewisser Opposition zu Bions Ideen fand (erst später sah ich, wie sehr das an der Sache vorbeiging). Bion schien mir wichtigen ‚gruppenspezifischen Phänomenen‘, wie Foulkes sie beschrieb, keine Aufmerksamkeit zu schenken, schien uninteressiert an der Rolle des Therapeuten als ‚dynam