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Das neue Heft von „Luzifer-Amor“ greift ein altes Thema, die Verbindung der Psychoanalyse mit philologischen und literarischen Methoden und Techniken wieder auf, um an ihm die interdisziplinären Vernetzungen in der geschichtlichen Entwicklung einer Wissenschaft nachzuzeichnen. Es geht in den hier vorgelegten Arbeiten also nicht primär um die Anwendung der psychoanalytischen Methode auf Literatur, sondern umgekehrt um deren Einflüsse auf die Ausbildung einer psychoanalytischen Deutungslehre, die sich der Einordnung in den überkommenen Gegensatz von Natur- und Geisteswissenschaften entzieht.
Freud verstand sich als Naturwissenschaftler. Dies gilt vor allem in methodologischer Hinsicht. Daß er über eine sprachliche Gestaltungskraft von höchstem Rang verfügte, braucht eigentlich kaum erwähnt zu werden, auch nicht, daß seine weit über Fachgrenzen hinausgreifenden Interessen sich nicht zuletzt in einer außergewöhnlich umfassenden Kenntnis der klassischen Literatur bezeugt. Ein lehrreiches Beispiel dafür, wie stark seine literarischen Neigungen in biographische Zusammenhänge verwoben waren, ist Shakespeare, eine Gestalt, mit der sich zu befassen er nie müde wurde. Freud selbst gibt ein gutes Beipiel dafür, daß der psychoanalytische Zugang zu Kunstwerken und ihrer Wirkung biographisch angelegt ist. Die Erforschung von lebensgeschichtlichen Zusammenhängen hat denn auch die psychoanalytische Ästhetik lange geprägt. Die Schwächen eines solchen Ansatzes werden aber zunehmend reflektiert, die daran anschließenden Versuche, ihn zu überwinden, versprechen der psychoanalytischen Literaturdeutung neue Horizonte zu erschließen.
Zwischen Psychoanalyse und Literatur haben sich wechselseitige Verflechtungen ergeben. Nicht nur bestand schon seit ihren Anfängen ein Interesse der Psychoanalyse an Literatur, auch umgekehrt sind Spuren einer kritischen Auseinandersetzung mit ihr in der gesamten Literatur des 20. Jahrhunderts zu verzeichnen. Ein gemeinsamer Bezugspunkt, die Sprache, führt noch