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„Er setzt mir zu, den Hauptschlag gegen Freud zu führen. Kann ich das, da ich doch dieser Hauptschlag bin“.
„Das Wahrscheinliche ist nicht immer das Wahre“.
Am 15. Juli 1927 brennt in Wien der Justizpalast. Der Funke war ein Gerichtsurteil, in dem Mitglieder der lokalen „Frontkämpfer“-Organisation, die im Burgenland zwei sozialdemokratische Demonstranten aus dem Hinterhalt erschossen hatten, freigesprochen wurden. Daraufhin kam es in Wien zu einer spontanen, führerlosen Demonstration, in deren Verlauf der Justizpalast in Flammen aufging. Die Polizei schoß in die Menge, es gab 90 Tote.2 Elias Canetti wertet das Erlebnis als den letzten Anstoß für sein Lebensthema, das Phänomen der Masse: „An diesem hellerleuchteten, entsetzlichen Tage gewann ich das wahre Bild dessen, was als Masse unser Jahrhundert erfüllt“ (1980, S. 282). Auf sein späteres Leben habe es „den tiefsten Einfluß“ gehabt (1975/1978, S. 224).
Den gleichaltrigen Manès Sperber trifft dort ebenfalls der Funke; seine Schilderung, die mit dem Satz schließt: „Ich bin gewiß nicht der einzige, auf den dieses Erlebnis nie aufgehört hat zu wirken“, weist Paralleln mit der von Canetti auf.3 Und auch für Wilhelm Reich war das Datum ein ‚unsichtbarer Kristall‘: „Ich begann meine Arbeit nach dem 15. Juli 1927, als hundert Menschen auf der Straße getötet und ungefähr tausend verwundet worden waren. […] Das war für mich der Auslöser“.4 Die Folgen (nicht nur) in der österreichischen Literatur sind unübersehbar.5 Karl Kraus entzündet eine Plakatkampagne, in der er den Polizeipräsidenten von Wien zum Rücktritt auffordert, und in Romanen von Robert Neumann (Sintflut, ) bis Heimito von Doderer (Die Dämonen, ) spieg