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„Seit jeher war Menschwerdung ein Geschehen, in dem eminente Sprecher ihren Mitmenschen Modelle des Menschseins vorsagten - exemplarische Geschichten von den Ahnen, den Helden, den Heiligen, den Künstlern. Ich nenne diese demiurgische Kraft der Sprache das Versprechen.“
„So ruhen die Liebenden nebeneinander. Friede schwebt über ihrer Stätte, heitere, verwandte Engelsbilder schauen vom Gewölbe auf sie herab, und welch ein freundlicher Augenblick wird es sein, wenn sie dereinst wieder zusammen erwachen“ (6, S. 490).1 So tröstet uns am Schluß seines Romans „Die Wahlverwandtschaften“ Goethe. Ein leicht ironischer Ton schwingt mit. Was im Leben nicht gelingt, gelingt im Tod: ewiges Miteinandersein, wenn auch im Grab. Eduard und Ottilie, die „Wahlverwandten“, haben im Tod gefunden, was im Leben nicht zu haben war: aufgrund bereits bestehender Bindungen, des Anstands, bestehender Sitten und Normen der Gesellschaft, vielleicht aber auch und vor allem aufgrund versteckter, viel tiefer liegender Hindernisse der Erfüllung des Liebens und der Liebenden: eine ihrer Wahlverwandtschaft angemessene Lagerstatt.
„Ich habe viel hineingelegt, manches hineinversteckt. Möge auch Ihnen dies offenbare Geheimnis zur Freude gereichen“, schreibt Goethe kurz vor der Vollendung seines Werkes an Karl Friedrich Zelter im Juni 1809, und später, noch geheimnisvoller: „Wo Ihnen auch mein neuer Roman begegnet, nehmen Sie ihn freundlich auf. Ich bin überzeugt, daß Sie der durchsichtige und undurchsichtige Schleier nicht verhindern wird, bis auf die eigentlich intentionierte Gestalt hineinzusehen“ (Trunz, S. 639).
Der Roman ist fast 200 Jahre alt - und fasziniert noch immer oder, in Abständen, immer wieder, wie die Dramen Shakespeares oder andere Werke, die zur großen Kunst gezählt werden. Vielleicht einer Renaissance der Bearbeitung klassischer Problemkonstellationen in moderner künstlerischer Form entsprechend, wurde in letzter Zeit neben zahlreichen Shakespeare-Verfilmungen auch eine de